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Apotheken-Designer

»Ich bereite die Bühne des Erfolgs«

Seit mehr als 30 Jahren gestaltet Klaus Bürger Apotheken. Mittlerweile sind es rund 130 Stück in ganz Deutschland. Das Design von Bürger, der in Düsseldorf Innenarchitektur studierte, ist etwas für Individualisten. Sein Anspruch an alle Apotheken ist jedoch, dass sie authentisch und nachhaltig sind.
Jennifer Evans
17.09.2019
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Apotheke am Klemensplatz: Die leuchtende Sichtwahl bildet ein Eyecatcher neben der sonst lindernd gehaltenen Einrichtung.  / Foto: Uwe Spoering, Köln
Fortuna Apotheke: Licht als Designelement erzeugt weite im Kundenbereich. / Foto: Uwe Spoering, Köln
Die Apotheke am Aachner Platz erstrahlt in einem zeitlosen Design.  / Foto: Uwe Spoering, Köln
Apotheke am Aachener Platz / Foto: Uwe Spoering, Köln

PZ: Wann haben Sie Ihre erste Apotheke designt und warum haben Sie speziell für Offizinen eine Leidenschaft entwickelt?

Bürger: Ich hatte Anfang der 80er Jahre einen Aufsatz verfasst, der sich mit der Gestaltung von Apotheken auseinandersetzte. Nach dessen Veröffentlichung in einer pharmazeutischen Zeitschrift im Jahr 1983 rief mich als erster Apotheker Dietmar Frensemeyer aus Achern an. So entstand 1985 meine erste Apotheke. Das Konzept schlug ein wie eine Bombe. Mittlerweile dürften es so um die 130 sein und jede war eine neue Herausforderung. Der amerikanische Architekt Frank Lloyd Wright hat auf die Frage nach seinem besten Projekt mal geantwortet: mein nächstes. Und das macht auch einen Teil der Leidenschaft an meinem Beruf aus.

PZ: Gibt es Anforderungen, die jede Apotheken-Einrichtung erfüllen sollte? Und wie kann diese sich trotzdem von der Masse abheben?

Bürger: Zunächst einmal muss die Einrichtung die Apothekenbetriebsordnung, die Arbeitsstättenverordnung und die Brandschutzbestimmungen berücksichtigen. Und dann gibt es individuelle Anforderungen seitens des Apothekers. Spannend wird es dann, wenn man aufmerksam zuhört und zwischen den Zeilen liest, Althergebrachtes in Frage stellt und räumlich wie auch funktional nach diesem Quäntchen an Mehr gräbt. Zum Schluss entsteht ein Arbeitsplatz, der zwar meine Handschrift trägt, aber vielmehr ein Teil des Apothekers ist und diesen repräsentiert.

PZ: Die Einrichtung unterstreicht also die pharmazeutische Kompetenz und die Persönlichkeit des Apothekers?

Bürger: Ja, das muss sie sogar.

PZ: Wie gelingt das und welches Gefühl sollte das Apotheken-Design beim Kunden wecken?

Bürger: Ein positives Gefühl. Das moderne Marketing nutzt oft Täuschung, um solche Empfindungen zu erzeugen. Ich verabscheue dies zutiefst. Ich habe viele meiner Apotheker nicht nur als hervorragend ausgebildete und teilweise sogar promovierte Pharmazeuten kennengelernt, die echt was auf der Pfanne haben, sondern zudem auch noch Menschenfreunde sind, die ihren Auftrag sehr ernst nehmen. Das, was dem Kunden vermittelt werden muss, ist Authentizität: Sei den Kranken in ihren emotional schwierigen Situationen eine vertrauensvoll helfende Hand und schenke ihnen Aufmerksamkeit. Sei echt. Dies alles kann nur eine Apotheke vor Ort bieten. Und muss es auch, wenn sie weiterhin bestehen will. Das Internet kann nur billig und ist ansonsten extrem herzlos. Der Apotheker muss eine aufmerksame und vertrauenswürdige Haltung ausstrahlen und das schafft er nicht in einer Apotheke, die aussieht wie ein Schlecker-Markt – dem Gipfel der Trostlosigkeit.

PZ: Welche Materialien und Farben nutzen Sie?

Bürger: Holz, Stein, Metall und Glas. Ein Material muss beispielsweise gut altern können und im abgewetzten Zustand immer noch einen Reiz haben. Ich nehme auch gerne etwas aus der Region. Grundsätzlich begeistern Materialen, wenn sie in ihrer Haptik und ihrer Erscheinung eine ehrliche Üppigkeit ausstrahlen. Aber neben Langlebigkeit und Strapazierfähigkeit spielt natürlich auch die Hygiene eine große Rolle. Hier kommen moderne Verbundwerkstoffe und antibakterielle Beschichtungen zum Einsatz. Auch gewinnen ökologische Baustoffe, wie etwa Lehmputz, immer mehr an Bedeutung. Ich möchte nachhaltig bauen.

PZ: Welche Rolle spielt das Licht in der Apotheke?

Bürger: Das Wichtigste ist natürlich die Lichtstimmung, aber auch die Funktion. In der Offizin lassen sich etwa verschiedene Aufmerksamkeitszonen erzeugen, die den Blick des Kunden lenken. Und schließlich kommen wir wieder zum Material, denn hier ergeben sich je nach Oberflächenbeschaffenheit und Farbe verschiedenste Reflexionen, die die Stimmung im Raum maßgeblich beeinflussen.

PZ: Wie gelingt es bei all dem Design, dass die Funktionalität nicht auf der Strecke bleibt?

Bürger: Funktion und Gestaltung sind untrennbar miteinander verbunden und ergeben zusammen das Design. Laut Industriedesigner Dieter Rahms ist Design innovativ, ästhetisch, unaufdringlich, ehrlich, langlebig, umweltfreundlich und bis ins Detail konsequent. Auch macht es ein Produkt brauchbar und verständlich. Es orientiert sich am Menschen und seinen vielfältigen Bedürfnissen. Die reichen von körperlichen und psychischen Bedürfnissen bis hin zu Anforderungen des menschlichen Verstandes an die gegenständliche Umwelt. Durch diese Zweckorientierung unterscheiden sich Design und Architektur von der Kunst.

PZ: Wie wirkt sich eine Neugestaltung auf den Umsatz einer Apotheke aus?

Bürger: Bei meinen Kunden umsatzsteigernd. Das liegt ganz einfach daran, dass sie wissen, was sie wollen und wer sie sind. Auch sind sie bereit, mit mir zusammen alte Gewohnheiten infrage zu stellen und Entscheidungen zu treffen. Ich bin nicht die Ursache des Erfolgs dieser Menschen, sondern nur derjenige, der die Bühne bereitet.

PZ: Woran erkennt man eine Bürger-Apotheke?

Bürger: Meine Einrichtungen sind etwas für Individualisten, die keinen Bock auf Mainstream haben. Wenn Sie in einer Stadt eine Apotheke betreten und sofort anerkennen, dass diese auf eine erfreulich positive Weise etwas anders ist, dann stammt das Design mit hoher Wahrscheinlichkeit von mir.

PZ: Was sind die Besonderheiten an Ihren Düsseldorfer Design-Apotheken?

Bürger: Das Besondere sind die Apotheker. Die Zusammenarbeit war sehr angenehm und produktiv, was man an den fertigen Projekten sieht. Teilweise haben wir heute noch Kontakt. Alle drei Apotheken sind auf die eine oder andere Weise recht beengt. Die Fortuna Apotheke ist räumlich ein sehr langer Schlauch, der in der Mitte sogar noch eine Engstelle hat. Diesen Engpass kaschieren nun die hinterleuchteten Versätze in der Freiwahl. Mit dem zarten Blau und dem hinterleuchteten Glas erzeuge ich Weite im Kundenbereich. Als Kontrast hebe ich den Sichtwahlbereich durch die Wärme des Eschenholzes und die Farbe Gelb hervor. Das erzeugt Wärme, die zum sonnigen Gemüt der Apothekerin passt. Die Apotheke am Aachener Platz ist etwas älter. Ihr Design macht sich aber für fast 20 Jahre noch sehr gut. Die Apotheke am Klemensplatz ist jüngeren Datums. Eine Besonderheit ist der Beratungsraum, der den Übergang zwischen Offizin und Arbeitsbereich bildet und diese Bereiche transparent miteinander verbindet. Die Gestaltung ist hell und eher kühlend beziehungsweise lindernd gehalten. Eyecatcher ist die leuchtende Sichtwahl, deren Rückseite weitere Arbeitsplätze und das Abholerregal beherbergt und verbirgt.

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