| Jennifer Evans |
| 18.08.2026 18:00 Uhr |
Ein weiteres Thema ist die Verschiebung dessen, was bei jüngeren Generationen als gesellschaftlich akzeptabler Humor gilt. Viele Teilnehmende berichteten, dass sie sich in Gegenwart Fremder stärker zensieren – aus Angst, jemanden zu verletzen. Humoristische Äußerungen haben demnach das Spielerische verloren. Ein 62-jähriger Mann erzählte: »Wenn es jemand ist, den man nicht kennt, könnte man [Humor] nutzen, um das Eis zu brechen – aber da sind diese sozialen Barrieren. Man kennt sie nicht, also will man es nicht wirklich übertreiben.« Diese Unsicherheit, so die Forschenden, könnte erklären, warum Menschen mit zunehmendem Alter seltener Witze wagen.
Altersbezogene Witze nehmen die Befragten mit gemischten Gefühlen wahr. Frauen empfanden die Stereotype häufiger als verletzend oder beleidigend, Männer stuften sie eher als harmlos oder missverstanden ein, waren sich der negativen Aspekte weniger bewusst. Entscheidend war demnach auch die Vertrautheit – während derselbe Witz unter Freunden nachvollziehbar und lustig wirkt, kann er von Fremden abwertend rüberkommen.
Wer altersdiskriminierende Sprüche nicht auf die leichte Schulter nahm, bei dem hatte Humor negative Auswirkungen, rief etwa Schuldgefühle oder vermindertes Selbstvertrauen hervor. Die Studie nennt als mögliche Erklärung, dass Humor von der sozialen Identität der Zielperson abhängt. Auf jeden Fall entscheide die Vertrautheit darüber, ob der Humor als höflich oder unhöflich wahrgenommen werde, heißt es.
Bemerkenswert ist laut den Forschenden die Vielfalt der Humorstile, die ältere Erwachsene schätzen. Demnach lieben viele positive, situationsbezogene Komik und trockene Witze; aggressive oder obszöne Formen, insbesondere gegen eine einzelne Person, lehnen sie tendenziell eher ab. Dennoch nutzen viele selbstironischen oder schwarzen Humor, um schwierige Situationen und Gespräche zu meistern.
Diese Beobachtung widerspricht den Studienautorinnen und -autoren zufolge teilweise bisheriger Forschung und deutet darauf hin, dass dunkler bis hin zu schwarzem Humor im Alter als adaptive kognitive Neubewertungsstrategie dienen kann. Eine Regulationsstrategie, die Akzeptanz oder die Suche nach sozialer Unterstützung signalisiert.