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Forschungsprojekt
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Holzstandgefäße und ihre Bemalung

Das Deutsche Apothekenmuseum besitzt mehr als 800 Holzstandgefäße; viele sind bemalt. Nach deren restauratorischer Überarbeitung wurde ein Projekt gestartet, diesen Gefäßtypus wissenschaftlich aufzuarbeiten. Ein Einblick in museale Detektivarbeit.
AutorKontaktClaudia Sachße
Datum 28.12.2023  09:00 Uhr

Pigmente als Datierungshilfe

An einigen Gefäßen wurden zur Feststellung der Fassungsabfolgen restauratorische »Fenster« freigelegt. 13 Gefäße, deren Gruppen mehr als 270 Gefäße repräsentieren, wurden mikroskopischen Pigmentanalysen unterzogen. Diese Analysen sind die erste systematische Untersuchung zu Farbfassungen bei hölzernen Apothekenstandgefäßen überhaupt.

Die nachgewiesenen Pigmente entsprechen großenteils den typischen in der zeitgenössischen Tafelmalerei und geben teils Hinweise auf die Datierung der Fassungen (Feller 1986).

Unter den Weißtönen wurde bei Gefäßen des 18. Jahrhunderts fast ausschließlich das seit der Antike bekannte Bleiweiß festgestellt (Cerussa, Bleihydroxidcarbonat). Bei jüngeren Gefäßen tritt dieses meist in Mischung mit Schwerspath (Bariumsulfat) auf, das als Pigment ab 1820 breiter verfügbar war. Zinkweiß (Zinkoxid) stand ab etwa 1850 in der Malerei zur Verfügung und wurde ebenfalls oft mit Bleiweiß gemischt. Weißpigmente dienten auch zum Aufhellen farbiger Pigmente.

Als Blauton finden wir meist das seit 1710 bekannte »Berliner Blau« (Preußisch Blau) in ganz hellen bis dunklen, fast schwarzen Tönen. Das Verfahren für dieses erste synthetische Farbpigment – eine Reaktion von gelösten Eisenverbindungen mit gelöstem gelben Blutlaugensalz – wurde zwischen 1704 und 1707 von dem Berliner Farbenhersteller Johann Jacob Diesbach (circa 1670 bis 1748) und dem Theologen und Alchemisten Johann Konrad Dippel (1673 bis 1734) entdeckt. Die Bereitung von »Ultramarin künstlich«, einem komplexen schwefelhaltigen Natriumsilikat, ist dagegen erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts belegt.

Die vielfältigen Rot- und Brauntöne basieren großenteils auf Zinnober (Quecksilber(II)-sulfid) und Mennige (Blei(II,IV)-oxid) für kräftiges Rot oder Rosa sowie dem Erdton Umbra und Eisenoxidrot (Eisen(III)-oxid) für dunklere Töne. Bei Gelb/Orange-Pigmenten dominiert Eisenoxidgelb (Eisenoxidhydrat). Teils diente es als Grundierung für eine darübergelegte Vergoldung. Singulär belegt sind Auripigment und Chromorange (basisches Bleichromat) sowie Bleiglätte als Vergoldungsgrundlage.

Als Grüntöne wurden Grünspan (Kupferacetat) sowie das Mineral Malachit nachgewiesen. Schwarzpigmente konnten in unseren Proben nur selten bestimmt werden – als Pflanzenschwarz für die Kartuschen-Rahmen sowie in einem Fall als Beinschwarz (Pflanzen- oder Knochenkohle) für die Fassungsfarbe.

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