| Melanie Höhn |
| 22.04.2026 17:00 Uhr |
Die Eröffnung des Forschungszentrums BeCAT (v.l.): Professor Joachim Spranger (Dekan der Charité), Wissenschaftssenatorin in Berlin Ina Czyborra, Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU), Astrid Lurati (Vorstand für Finanzen und Infrastruktur der Charité), Professorin Annette Künkele-Langer (Leiterin BeCAT) und Professor Heyo Kroemer (Vorstandsvorsitzender der Charité). / © PZ/Höhn
»Wir leiten heute einen grundlegenden Wandel ein in der Art und Weise, wie wir Medizin denken, entwickeln und den Menschen zugänglich machen«, sagte die Berliner Senatorin für Wissenschaft, Ina Czyborra, bei der Eröffnung der Forschungszentren BeCAT und Si-M. Hier werde aus »mutiger Spitzenforschung« eine greifbare Hoffnung bei bislang unheilbaren Krankheiten. Dreh- und Angelpunkt sei die Etablierung innovativer Methoden der personalisierten Medizin mit Schwerpunkt Gen- und Zelltherapie, erklärte Professor Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité.
Als einen »Inkubator des Forschritts« bezeichnete die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär (CSU), den Campus. 31 Millionen Euro habe der Bund für die neuen Forschungszentren bereitgestellt und setze damit das klare Signal, dass Deutschland bei der Entwicklung neuer Therapien weltweit an der Spitze stehen wolle. »Wenn BeCAT und Si-M eng zusammenarbeiten, dann hoffe ich, dass die Durchbrüche zum Greifen nah sind.« Ein schneller Transfer in die Praxis sei nun essenziell.
Im Forschungszentrum »BeCAT« der Charité-Universitätsmedizin Berlin sollen sogenannte »lebende« Arzneimittel, sogenannte »Advanced Therapy Medicinal Products (ATMP)«, entwickelt werden: Diese innovativen Medikamente basieren auf Genen, Zellen und Geweben und sollen nicht nur spürbare Symptome behandeln, sondern zielen darauf ab, Krankheiten ursächlich zu behandeln und die Gesundheit von Patientinnen und Patienten nachhaltig wiederzustellen.
Es sollen ATMP-Arzneimittel aller drei Klassen entwickelt werden: Gentherapeutika, somatische Zelltherapeutika und biotechnologisch bearbeitete Gewebeprodukte. In einer modularen GMP-Laboreinheit kann die Herstellung aller ATMP-Klassen auch in Verbindung mit Biomaterialien bis hin zum 3D-Bioprinting ermöglicht werden.
»Die Möglichkeiten dieser neuen Therapien scheinen unbegrenzt«, sagte die Professorin Annette Künkele-Langer, die das BeCAT leitet. »Wir können es kaum abwarten, hier erste Produkte herzustellen und Patienten zu retten.« Forschende zum Beispiel aus der Charité, dem Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), dem Max Delbrück Center (MDC) oder dem Si-M sollen am BeCAT gemeinsam Arzneimittel für frühe klinische Studien entwickeln und herstellen, so Künkele-Langer.
Im Forschungszentrum Si-M der TU Berlin und der Charité geht es um die realitätsnahe Nachbildung der menschlichen Biologie von molekularen Prozessen bis hin zu komplexen Geweben und Organfunktionen. Durch die Verzahnung von Ingenieurswissenschaft und Medizin sollen innovative Modelle entwickelt werden, die ein tieferes Verständnis von Krankheitsmechanismen ermöglichen und neue Ansätze für Diagnostik und Therapie eröffnen sollen. Funktionen von Organen und Geweben sollen in sogenannten »Organoid- oder »Organ-on-a-Chip«-Modellen untersucht werden. Zudem sollen öffentliche Bereiche mit Ausstellungen, Workshops und Vorträgen den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ermöglichen.
»Hier wird die nächste Generation von Modellen entstehen: Präziser und näher am Menschen. Wir wollen Krankheiten in ihrer Vielfalt verstehen«, so Professorin Sina Bartfeld, Sprecherin des Si-M. Das Zenrum wolle dazu beitragen, Alternativen zu Tierversuchen zu geben. »Wir fragen uns beispielsweise: Wie reagiert menschliches Gewebe auf Infektionen? Das Haus bringt verschiedene Ebenen der Forschung zusammen«, so Bartfeld. »Unser Ziel ist, die menschliche Biologie besser zuverstehen. Was wir hier eröffnen, sind Möglichkeiten.«