In der Höhe hat die Luft zwar denselben Sauerstoffgehalt wie im Tal. Dadurch, dass der Druck geringer ist, atmet man aber weniger Sauerstoff ein. / © Getty Images/Westend61/Uwe Umstätter
Bei der Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie (IHHT) atmen Anwender abwechselnd sauerstoffarme (Hypoxie) und sauerstoffreiche Luft (Hyperoxie) ein. Eine IHHT-Einheit wird in körperlicher Ruhe durchgeführt. Dafür legt sich die Person auf eine Liege oder setzt sich auf einen bequemen Stuhl. Über eine Maske wird in mehreren Zyklen für circa 40 bis 60 Minuten die sauerstoffarme beziehungsweise -reiche Luft appliziert – jeweils nur für wenige Minuten.
Die normale Umgebungsluft besitzt knapp 21 Prozent Sauerstoff. Während der Hypoxie liegt der Wert abhängig vom Gerät zwischen 9 und 18 Prozent, was einer Höhe von circa 1500 bis 6500 Metern über dem Meeresspiegel entspricht. In diesen Höhen hat die Luft zwar denselben Sauerstoffgehalt wie am Boden, allerdings ist der Luftdruck geringer. Man atmet daher automatisch weniger Sauerstoff ein, die Luft wird »dünner«. Das Atmen fällt zudem deutlich schwerer.
Nach dem Hypoxieintervall folgt die Hyperoxie. Die Person atmet nun Luft mit einem Anteil von circa 30 bis 35 Prozent Sauerstoff ein. Das soll den Körper nach dem Mangel mit einer Extraportion Sauerstoff versorgen. IHHT-Sitzungen sollten regelmäßig durchgeführt werden, wobei es zur Häufigkeit keine klaren Empfehlungen gibt.
Von der IHHT abzugrenzen ist die IHT, bei der die Hyperoxiephasen entfallen. Es wird erst sauerstoffarme Luft und anschließend normale Umgebungsluft eingeatmet. Beide Verfahren können als Höhentrainings-Simulation bezeichnet werden.
Die IHHT erfolgt in Ruhe: Der Anwender liegt oder sitzt dabei. / © Adobe Stock/Studio Romantic
Durch den kurzzeitigen Sauerstoffmangelzustand im Rahmen der Therapie werden verschiedene Anpassungsmechanismen angeregt, die sich positiv auf die Energieversorgung auswirken sollen. So kommt es physiologisch zu einer Regeneration und Neubildung von Mitochondrien sowie zum Abbau von alten Mitochondrien. Der Hypoxiezustand regt den Körper an, den verfügbaren Sauerstoff optimiert zu nutzen, um den Mangel auszugleichen.
Daher werden IHHT-Behandlungen für verschiedene Personengruppen und Anwendungsbereiche angeboten: Für Sportler zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und Ausdauer, für Gesundheitsbewusste zur Fettverbrennung und für Berufstätige gegen Erschöpfung sowie Stress. Im Longevity-Bereich wird damit geworben, dass sich »die Zellen verjüngen«. Die Evidenz für die einzelnen Effekte ist jedoch begrenzt, wobei mittlerweile auch Daten aus klinischen Studien zur Verfügung stehen.
Im Rahmen einer 2023 im »European Heart Journal« publizierten kontrollierten randomisierten Studie wurden Probanden mit Erschöpfungssymptomen aufgrund von Long Covid mit IHHT behandelt. Eingeschlossen waren 145 Personen im Alter von 27 bis 84 Jahren, die sich in einem Rehabilitationsprogramm befanden. Die IHHT-Methode wurde als Ergänzung eingesetzt. Eine 45-minütige Sitzung bestand aus sechs bis acht Hypoxie-Hyperoxie-Zyklen. Die Probanden der IHHT-Gruppe zeigten in verschiedenen Bereichen eine signifikante Verbesserung, beispielsweise konnten sie besser Treppen steigen, ermüdeten langsamer und die eigene Gesundheit wurde als besser wahrgenommen.
Laut einer Übersichtsarbeit, die 2023 im Fachjournal »Metabolites« veröffentlicht wurde, ließen sich durch IHHT die Symptome unter anderem bei verschiedenen kardiovaskulären, neurologischen, muskuloskelettalen oder metabolischen Erkrankungen verbessern. Trotz erster positiver Ergebnisse ist die Datenlage zu dünn und zu heterogen, um konkrete Empfehlungen auszusprechen.
Probleme können bei der IHHT autreten, wenn das Hypoxieintervall zu lang ist, das Gerät auf eine sehr geringe Sauerstoffkonzentration eingestellt ist oder sich nicht von allein abschaltet. Der Einsatz von tragbaren Geräten für zu Hause ist hinsichtlich Qualität und Sicherheit deshalb kritisch zu bewerten. Sitzungen sollten nicht allein durchgeführt werden, um eine schwere Hypoxie zu vermeiden.
Ende 2025 verstarb der norwegische Biathlet Sivert Guttorm Bakken möglicherweise an einer solchen Komplikation. Der 27-jährige Profisportler starb unter ungeklärten Umständen. Er wurde mit einer Atemmaske auf dem Gesicht aufgefunden.
Vorerkrankungen, die einen Einsatz von IHHT ausschließen, sind schwere kardiovaskuläre und pulmonale Erkrankungen, Epilepsie, neurologische Störungen und akute Entzündungen oder Infekte. Auch Schwangere sollten keine IHHT-Therapie starten. Als Nebenwirkungen können zu Beginn Schwindel und Kopfschmerzen auftreten.
Einige Apotheken haben die IHHT als Gesundheitsdienstleistung in ihr Angebot aufgenommen. Die Sitzungen finden unter Aufsicht von geschultem Personal statt, eine Beratung zu Nebenwirkungen und Risiken kann direkt vor Ort erfolgen. Während der gesamten Sitzung werden wichtige Parameter wie Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung und der Sauerstoffgehalt der zugeführten Luft überwacht.
Kunden, die auch im Alltag verschiedene Werte tracken, können selbstständig beobachten, ob regelmäßige Sitzungen eine Veränderung bewirken. Das ist insbesondere zwischen den Behandlungen interessant. Außerdem können diese Werte die Auswertung in der Apotheke unterstützen.