Europäische Wohnungen, Arbeitsplätze und Schulen seien für extreme Temperaturen nicht ausgelegt, so die WHO. Teilweise wurde die 40-Grad-Marke überschritten. / © Getty Images/MarioGuti
Die beispiellose Hitzewelle mit Rekordtemperaturen in Europa ist nach Einschätzung des Chefs der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitverantwortlich für Hunderte zusätzliche Todesfälle. »Seit dem 21. Juni wurden in Europa mehr als 1300 zusätzliche Todesfälle verzeichnet, die im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen stehen«, schrieb Tedros Adhanom Ghebreyesus auf der Plattform X. »Europa ist der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der Erde – die Erwärmung verläuft doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt.«
Laut Tedros leiden derzeit 150 Millionen Menschen unter extremer Hitze, Schulen seien geschlossen, die Stromnetze würden zusammenbrechen. Hitzestress werde oft als »stiller Killer« bezeichnet. Europäische Wohnungen, Arbeitsplätze und Schulen seien für solche Temperaturen nicht ausgelegt, schrieb Tedros. Vergangene Woche hatte er bereits gewarnt, weltweit würden jährlich rund eine halbe Million Menschen an Hitzefolgen sterben. Viele dieser Todesfälle seien durch Schutzmaßnahmen vermeidbar.
Am Wochenende waren in mehreren europäischen Ländern Rekordtemperaturen registriert worden: In Deutschland lag der Rekordwert am Sonntag in Neißemünde im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree bei 41,7 Grad. Mit vorläufig 40,5 Grad wurde in Polen in der Grenzstadt Słubice an der Oder ein Temperaturhöchststand für das Land verzeichnet. In Tschechien wurde mit 41,1 Grad auf dem Höhepunkt der Hitzewelle den zweiten Tag in Folge ein Allzeithöchststand gemessen.
Am Sonntag hatte die französische Gesundheitsbehörde mitgeteilt, nach vorläufigen Daten seien während der extremen Hitzewelle rund 1000 Todesfälle mehr als im Durchschnitt registriert worden. Die seit Mittwoch erhobenen Daten seien vorläufig und noch nicht abschließend ausgewertet, teilte Santé publique France mit. Rund 85 Prozent der registrierten Todesfälle entfielen demnach auf Menschen ab 65 Jahren. Besonders auffällig sei der Anstieg der Todesfälle in Privathaushalten, der um rund 40 Prozent höher liege als üblich. Dies betreffe insbesondere die Region Île-de-France, also den Großraum Paris.
Die Behörde verwies darauf, dass die Auswertung auf elektronischen Todesbescheinigungen beruhe, die nur einen Teil der landesweiten Sterblichkeit erfassten. Die tatsächlichen Zahlen dürften daher höher liegen. Zudem träten gesundheitliche Folgen extremer Hitze häufig erst zeitverzögert auf. Nach Tagen außergewöhnlicher Hitze gingen die Temperaturen in weiten Teilen Frankreichs am Sonntag wieder zurück.