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Paritätischer Gesamtverband
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Hilfe zur Pflege kommt nicht überall an

Wer Pflege braucht und nicht ohne weitere finanzielle Hilfe auskommt, kann die Sozialleistung »Hilfe zur Pflege« beantragen. Zwischen Heim und zu Hause gibt es hier Riesenunterschiede. Eine Studie zeigt mögliche Gründe.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 19.03.2026  14:30 Uhr

Aus Scham nicht zum Amt

Dass mehr Menschen »Hilfe zur Pflege« erfolgreich beantragen könnten, nimmt die Studie auch anhand von Daten für die Grundsicherung an. Angenommen wurde, dass sich die Anteile fehlender Inanspruchnahme in beiden Fällen in etwa entsprechen. So kommt die Erhebung zu dem Ergebnis, dass mehr als 300.000 Menschen ohne »Hilfe zur Pflege« auskommen, obwohl sie diese bekommen könnten. Der Paritätische Gesamtverband macht Unwissen, Scham oder ausbleibende Beratung Betroffener dafür verantwortlich.

In den Stadtstaaten Hamburg und Berlin werde »Hilfe zur Pflege« dabei ambulant in größerem Ausmaß gewährt, im Saarland, Sachsen, Thüringen, Baden-Württemberg und Niedersachsen sowie Rheinland-Pfalz in eher geringem, so die Studie. »Bund und Länder müssen endlich die Menschen in der ambulanten Pflege in den Blick nehmen und Pflegearmut entschieden bekämpfen«, sagte Hauptgeschäftsführer Joachim Rock.

»Das Beispiel der Pflegearmut zeigt sehr anschaulich, wohin das Gerede davon, dass wir uns den Sozialstaat nicht mehr leisten können, in der Praxis führt«, sagt Sören Pellmann (Die Linke). »Gesetze nützen wenig, wenn sich das gesellschaftliche Klima dem Gefrierpunkt nähert. Wir brauchen einen grundlegenden Richtungswechsel. Wir müssen uns voller Überzeugung zum Sozialstaat bekennen und sagen: Wir wollen eine solidarische Gesellschaft«, so der Fraktionsvorsitzende der Partei. 

Der Sprecher des PKV-Verbands sagte: »Die gesetzliche Pflegeversicherung bietet bereits heute individuelle Lösungen – doch viele Pflegebedürftige kennen diese Möglichkeiten gar nicht.« Das Leistungsrecht müsse vereinfacht werden. Allerdings belasteten weniger finanzielle Eigenanteile die Betroffenen – sondern vielmehr die Doppelbelastung aus Pflege und beruflichen oder anderen familiären Verpflichtungen.

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