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Hilfe beim Reizdarmsyndrom

Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung oder Durchfall: Betroffene mit Reizdarmsyndrom leiden häufig unter einem Mix dieser unangenehmen Leitsymptome. Eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) und weitere Apps versprechen Abhilfe.
Laura Rudolph
14.03.2022  13:00 Uhr

Gemäß der aktuellen S3-Leitlinie liegt ein Reizdarmsyndrom dann vor, wenn die Darmbeschwerden die Lebensqualität signifikant beeinträchtigen, länger als drei Monate anhalten und nicht auf für andere Krankheiten charakteristische organische Veränderungen zurückzuführen sind. Die unklare Genese erschwert die Suche nach einer passenden Therapie. Neben überempfindlichen Darmnerven, vorangegangenen Darminfektionen sowie Störungen der Darmmuskulatur gelten auch Ernährungsgewohnheiten, psychische Belastungen und Stress als mögliche Auslöser. Auf die Optimierung letzterer drei Aspekte fokussieren sich die nachfolgenden Gesundheits-Apps.

Die App »Cara Care« des Berliner Unternehmens HiDoc Technologies ist vorläufig ins DiGA-Verzeichnis aufgenommen worden und kann daher auf Krankenkassenkosten ärztlich verordnet werden. Sie setzt bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms auf einen multimodalen Ansatz und bedient sich dabei der vier Hauptsäulen Wissensvermittlung, Ernährungstherapie, audiogeführte Hypnose und kognitive Verhaltenstherapie. Wichtig: Die Anwendung setzt eine ärztliche Diagnose des Reizdarmsyndroms beziehungsweise den Ausschluss von medikamentös behandlungsbedürftigen Differenzialdiagnosen voraus.

Cara Care ist für alle Betroffenen zwischen 18 und 70 Jahren geeignet; in der Schwangerschaft ist die Nutzung kontraindiziert. Nach Beantwortung eines medizinischen Fragebogens erstellt ein Algorithmus einen individuellen, nutzerspezifischen Behandlungsplan. Auf ihrer Website empfehlen die App-Entwickler eine tägliche Nutzung über mindestens zwölf Wochen.

Multimodale Therapieansätze

Ursachen, Symptome, Diagnostik und Therapieoptionen: Zunächst können Betroffene ihr medizinisches Know-how in der Rubrik Basiswissen erweitern. Der Bereich Ernährungstherapie setzt vorwiegend auf die sogenannte Low-FODMAP-Diät. Bei dieser zeitlich begrenzten Diät verzichtet man weitestgehend auf FODMAP-reiche Lebensmittel. Die Abkürzung steht für fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole – oder kurz gesagt vergärbare Kohlenhydrate. Diese stecken etwa in Brot, Nudeln oder Milchprodukten. Durch den Verzicht nehmen die Gasproduktion im Darm und die damit verbundene mechanische Reizung ab. Dies kann die Reizdarmbeschwerden nachweislich verbessern: In einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und der Charité Berlin, die den Einfluss der Low-FODMAP-Diät auf die Lebensqualität und Symptomschwere bei Reizdarmpatienten untersuchte, zeigte sich bei rund 78 Prozent der insgesamt 276 Probandinnen und Probanden eine signifikante Verbesserung (DOI: 10.1055/s-0039-1695463).

Cara Care liefert hierzu Tipps, Tricks und Rezepte unter Beachtung persönlicher Allergien und Unverträglichkeiten. In einem Ernährungs- und Symptomtagebuch können die Betroffenen Details zu ihren Mahlzeiten, ihrer Schlafqualität und ihrem Bewegungsmuster festhalten und damit ihre persönlichen Stressoren identifizieren.

Neben den physiologischen bedient sich die App auch psychologischer Maßnahmen. Audiogeführte, darmgerichtete Hypnosen zielen auf einen tiefen Entspannungszustand ab, der das Darmnervensystem beruhigen soll. Der Bereich »Gefühle und Verhalten« basiert dagegen auf der kognitiven Verhaltenstherapie mit dem Ziel, Zusammenhänge zwischen Körper und Geist zu verstehen. Die Betroffenen erlernen dabei Entspannungstechniken, Achtsamkeitsmethoden sowie Methoden der Stressbewältigung.

Wöchentlich werden neue Inhalte freigeschaltet, wobei alle vier Wochen eine Anpassung des Behandlungsplans und eine Fortschrittskontrolle durch Beantwortung eines kurzen Fragebogens erfolgen.

Versicherte, die ihrer Krankenkasse einen Nachweis über ihr Reizdarmsyndrom vorlegen, können die DiGA auch ohne ärztliche Verordnung erhalten. Für Selbstzahler fallen 718,20 Euro für eine 90-tägige Nutzung an.

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