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Biosimilars

Hersteller wollen keinen Austausch in der Apotheke

Nach Plänen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sollen Apotheker in Zukunft viele Biologika automatisch gegen ein Nachahmer-Präparat austauschen. Aus Sicht der Hersteller ist das der völlig falsche Weg. Sie fürchten, dass damit das Vertrauen der Ärzte in Biosimilars sinkt.
Stephanie Schersch
21.11.2018
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Für den Gesundheitsminister liegt das Problem eindeutig auf der Hand: Biosimilars kommen heute noch viel zu selten beim Patienten an. Tatsächlich verordnen Ärzte häufig ein biopharmazeutisches Original, obwohl es längst deutlich günstigere Nachfolge-Präparate gibt. Spahn möchte mit seinem neuen Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) daher strikte Regeln zum Austausch der Arzneimittel in der Apotheke einführen. Widerspricht der Arzt einer Substitution nicht ausdrücklich auf dem Rezept, sollen Apotheker demnach in vielen Fällen anstelle des Originals ein Biosimilar abgeben – so wie es heute bereits im Bereich der Generika üblich ist.

Ein automatischer Austausch für alle Arzneimittel ist allerdings nicht geplant. Schließlich sind Biosimilars anders als Generika lediglich ähnlich, nicht aber identisch mit Blick auf das Original. Die Pläne aus dem Ministerium sehen daher vor, dass der Gemeinsame Bundesausschuss regelt, welche Präparate problemlos ausgetauscht werden können.

Nach Meinung der Biosimilars-Unternehmen dürfte diese Regelung allerdings ihr Ziel verfehlen. Es sei schlichtweg der falsche Weg, Ärzten die Entscheidung über die Verordnung hochkomplexer Biologika aus der Hand zu nehmen, warnte Bork Bretthauer von der Arbeitsgemeinschaft Pro Biosimilars. »Mit der Austauschbarkeit entsteht kein Vertrauen in die neue Produktgruppe. Mehr noch: So kann das sensible Verhältnis zwischen Arzt und häufig schwerkrankem Patienten gefährdet werden.«

Tatsächlich sind Ärzte heute häufig unsicher, ob ein Biosimilar genauso gut wirkt wie das Referenzpräparat – und entscheiden sich daher lieber für das Original. Aktuelle Entwicklungen zeigten jedoch, dass die neueren Biosimilars immer schneller beim Patienten ankommen, so Bretthauer. Ein Grund dafür sei das Engagement der Selbstverwaltung, über Zielvereinbarungen den Einsatz der Nachahmer zu fördern. Ärzte fassten dadurch immer mehr Vertrauen in die Nachfolge-Präparate. »In diese durchweg positive Entwicklung greift nun das Bundesgesundheitsministerium ein«, so Bretthauer.

Auf Zustimmung stößt bei den Herstellern lediglich der Plan des Ministeriums, Ärzte und Krankenkassen künftig zum Abschluss von Versorgungszielen zu verpflichten, um damit den Einsatz von Biosimilars weiter zu stärken. Grundsätzlich sei es besser, »die aktuelle positive Entwicklung mit Besonnenheit zu fördern«, sagte Bretthauer.

Kritisch äußerte sich auch der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa). »Der automatische Austausch von Biopharmazeutika in der Apotheker geht an medizinischen Notwendigkeiten vorbei«, sagte vfa-Chefin Birgit Fischer. So untergrabe er nicht nur die passende Arzneimitteltherapie für Patienten, sondern beschneide auch die Therapiehoheit des Arztes.

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