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BAH-Positionspapier

»Arzneimittelhersteller sind systemrelevant«

Logistische Probleme, Personalengpässe, Störungen im Containerverkehr – einige aktuelle Entwicklungen bereiten dem Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) große Sorgen. Das geht aus seinem Positionspapier zur Coronavirus-Pandemie hervor.
Jennifer Evans
02.04.2020
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Einige Mitgliedsunternehmen haben nach BAH-Angaben im Zuge der Coronavirus-Krise bereits über logistische Schwierigkeiten geklagt. Andere gehen davon aus, dass ihnen etwaige Störungen bei den Transportwegen unmittelbar bevorstehen. Um die Lieferketten in der aktuellen Situation zu stabilisieren, ist es aus Sicht des Verbands daher »zwingend erforderlich« kurzfristig einzugreifen. 

Mit Blick auf den freien Warenfluss innerhalb der Europäischen Union (EU) schlagen die Arzneimittelhersteller an den Grenzen nun Durchfahrtspuren für Lastwagen und Lieferfahrzeuge vor, um die Situation zu entschäfen. Insbesondere für Transporte mit systemrelevanten Gütern sei dies sinnvoll, heißt es in dem Positionspapier. Staus oder andere Wartezeiten sind demnach für den Gütertransport inakzeptabel. Auch Lkw-Kontrollen sollten derzeit auf Stichproben oder Verdachtsmomente limitiert sein.

Sicher ist der Verband außerdem, dass durch einen schnelleren Warenverkehr auch mehr Kapazitäten beim Transportpersonal frei werden. Dieses sei »übermäßig lang in den vorgenannten vermeidbaren Verkehrsstaus gebunden«. Eine Entlastung wäre zudem, diese Personen »als versorgungskritisches Personal« bevorzugt zu testen und zu behandeln, um unnötige Quarantänen und damit überflüssige Ausfälle zu verhindern. 

Kühlcontainer sind knapp 

Unmittelbar auf die Produktion wirke sich die Personalsituation in grenznahen Gebieten wie zu Frankreich oder zur Schweiz aus. Trotz Pendlerschein dauere die Einreise ins Nachbarland bis zu zwei Stunden. Vor diesem Hintergrund fordert der BAH die Bundesregierung auf, europaweit die Grenzen zumindest für den Güter- und Warenverkehr sowie für den Grenzübertritt von Berufspendlern baldmöglichst wieder zu öffnen.

Als kritisch bewerten die Hersteller auch die aktuelle Verfügbarkeit von Kühlcontainern. Nach dem wochenlangen Lockdown in China seien dort viele Container gebunden. Der BAH rät dazu, notfalls Rücktransporte von leeren Containern – auch ohne Beladung mit in China hergestellten Gütern – zu organisieren. Reedereien, die solche Rücktransporte übernehmen, sollten in den Augen des Verbands eine entsprechende Vergütung erhalten.

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