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Influenza, Covid-19 und RSV
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Herbstimpfungen sind Herzensangelegenheit

Noch ein Grund mehr für die Herbstimpfungen gegen Influenza, Covid-19, Pneumokokken und RSV: Sie bieten nicht nur Infektionsschutz, sondern auch Herzschutz. Die Immunisierung gilt seit Kurzem als eigenständige Maßnahme der kardiovaskulären Prävention. Indes sind die Impfraten hierzulande so schlecht wie lange nicht.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 30.10.2025  09:00 Uhr

20-fach gegen Pneumokokken

Auch was die Notwendigkeit der Immunisierung gegen Pneumokokken betrifft, stehen besonders ältere Menschen mit (kardialen) Vorerkrankungen im Fokus. »Die Inzidenz invasiver Pneumokokken-Erkrankungen ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen«, machte Professor Dr. Claus Vogelmeier, Internist und Pneumologe aus Marburg, bei einer Pressekonferenz des Unternehmens Pfizer deutlich. Angesichts der damit verbundenen Morbidität und Mortalität stellt diese Entwicklung ein nicht unerhebliches gesundheitliches Risiko dar.

»Die Hospitalisierungsrate infolge einer invasiven Pneumokokken-Erkrankung liegt bei den über 60-Jährigen bei 52 Prozent. Davon versterben 12 Prozent“, konkretisierte Vogelmeier mit aktuellen Daten. Die Krankheitslast steige mit zunehmendem Lebensalter, vor allem wenn Grunderkrankungen bestehen. „Die Tatsache, dass eine Pneumonie generell zu einer Exazerbation der zugrundeliegenden Erkrankung führt, trifft besonders bei Menschen mit kardiovaskulären Grunderkrankungen zu.«

So sei das Risiko einer ambulant erworbenen Pneumonie bei chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen um mehr als das Dreifache erhöht. Jeder fünfte Patient, der mit einer Pneumonie hospitalisiert wird, verstirbt im Krankenhaus, weitere 5 Prozent innerhalb der ersten 30 Tage nach Entlassung. Dabei stehen kardiovaskuläre Ursachen mit über 60 Prozent im Vordergrund. Besonders erschreckend laut des Experten: »Die erhöhte Mortalitätsrate bleibt noch bis zehn Jahre nach dem Ereignis bestehen.«

Vor allem im Zusammenspiel mit anderen Atemwegserregern treibt Staphylococcus pneumoniae sein Unwesen: So sei er mit 35 Prozent der häufigste Erreger von Koinfektionen von hospitalisierten Influenzapatienten. Und auch bei stationären RSV-Patienten ist er in 23 Prozent der Fälle der häufigster Zweiterreger, berichtete Vogelmeier.

Die STIKO empfiehlt denn auch Personen ab 60 Jahren sowie Patienten ab 18 Jahren mit chronischen oder immunschwächenden Grunderkrankungen die Impfung gegen Pneumokokken. Sie sollen seit März 2024 den 20-valenten Konjugatimpfstoff (PCV20, Prevenar 20®) bekommen, da dieser einen breiten Schutz gegen jene 20 Serotypen vermittelt, die bei Senioren die größte Rolle spielen und mit schwerwiegenden Verläufen assoziiert sind. Erwachsene mit Grunderkrankungen, die in der Vergangenheit bereits eine sequenzielle oder einzelne Impfung mit dem 23-valenten Polysaccharidimpfstoff erhalten haben, sollen in einem Mindestabstand von sechs Jahren eine Impfung mit PCV20 erhalten. Für die Grundimmunisierung im Säuglingsalter empfiehlt die STIKO weiterhin vorrangig PCV13 oder PCV15, da bei PCV20 Unsicherheiten bezüglich der klinischen Wirksamkeit bestehen.

Angesichts niedriger Impfraten von nur 20 Prozent bei den Über-60-Jährigen sei dringend Handlungsbedarf. Denn auch die Durchimpfungsraten bei den Säuglingen sei nicht zufriedenstellend, weil noch zu viele keine Boosterung oder Impfungen nur zeitversetzt bekommen. »Wir adressieren unser Konzept, dass die ganz Jungen die Älteren schützen, nicht gut. Insofern kann der Schutz zwischen den Generationen nicht gut funktionieren«, sagte Vogelmeier.

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