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Diabetisches Fußsyndrom
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Gute Beratung kann Füße retten

Schlecht oder nicht heilende Wunden, Infektionen und Amputationen gehören zu den schwersten Folgen eines diabetischen Fußsyndroms. Umso wichtiger ist es, gefährdete Patienten früh zu erkennen und Komplikationen zielgenau zu behandeln. Die Apotheke spielt vor allem in der Prävention eine große Rolle.
AutorKontaktPeter Klein-Weigel
Datum 22.06.2025  08:00 Uhr

Nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts wurde im Jahr 2024 bei insgesamt 7,2 Prozent der Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren ein Diabetes mellitus diagnostiziert. Weitere 2 Prozent haben vermutlich einen noch unentdeckten Diabetes (1).

Folgeerscheinungen des Diabetes mellitus am Fuß werden unter dem Begriff des diabetischen Fußsyndroms (DFS) zusammengefasst. Sie entstehen durch unterschiedliche Pathomechanismen und bergen eine hohe Amputationsgefahr (2). Ihre Vermeidung erfordert eine besondere Präventionsstrategie und ihre Behandlung eine konsequente Diagnostik und interdisziplinäre Therapie.

In Deutschland finden etwa 70 Prozent aller Major-Amputationen bei Menschen mit Diabetes statt – derzeit etwa 5000 pro Jahr (3). Mehr als 85 Prozent aller Minor-Amputationen, das heißt Amputationen unterhalb der Sprunggelenke, betreffen ebenfalls Menschen mit Diabetes – circa 30.000 pro Jahr (3). Solche Amputationen haben nicht nur teils dramatische Folgen für die Betroffenen, sondern verursachen erhebliche Kosten für das Gesundheitssystem.

Daher gilt es, Menschen mit Diabetes mellitus und erhöhtem Risiko für Fußkomplikationen zu erkennen, Diabetes-assoziierten Fußläsionen (Ulzera) vorzubeugen und Amputationen bei bereits eingetretenen Gewebeschäden und/oder Infektionen zu vermeiden (2).

Prävention verbessern

Die Prophylaxe diabetischer Fußläsionen setzt eine regelmäßige Eigenuntersuchung und die fachärztliche Untersuchung von besonders gefährdeten Patienten, zum Beispiel mit Polyneuropathie und/oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK), voraus. Da viele Menschen das Risiko nicht ernst nehmen oder die betroffenen Gliedmaßen infolge der Erkrankung gar nicht mehr wahrnehmen (sogenannter Leibesinselschwund), kann man nicht davon ausgehen, dass sie diese Untersuchungen von sich aus machen oder eine Praxis aufsuchen. Andere gehen aus beruflichen oder sozialen Gründen nicht zum Arzt.

Hilfreich ist deshalb, Menschen mit Diabetes mellitus in der Apotheke auf Risikofaktoren und Prävention anzusprechen. Wichtige Themen sind die Qualität der Stoffwechseleinstellung, mögliche krankhafte Fußveränderungen, eine Polyneuropathie oder pAVK, frühere Fußprobleme, Fußläsionen oder Amputation sowie die Frequenz von Eigenuntersuchungen und fachärztlichen Fußuntersuchungen. Ebenfalls anzusprechen sind das Tragen von geeignetem Schuhwerk und die Möglichkeit podologischer Komplexbehandlungen.

Die allgemeine Präventionsstrategie des DFS umfasst neben der Selbstinspektion und der regelmäßigen fachärztlichen Untersuchung, deren Frequenz sich nach der Risikoklassifikation richtet (Tabelle 1), auch die gezielte Schulung sowie allgemeine und spezielle Maßnahmen.

Das Apothekenteam kann die Patienten beraten, wie sie selbst zur Vorbeugung möglicher diabetischer Fußkomplikationen beitragen können:

  • Inspektion der Füße, gegebenenfalls mithilfe eines Spiegels, tägliche Reinigung mit lauwarmem Wasser und milder Seife,
  • tägliches Einreiben mit einer Fußpflegecreme,
  • sachgerechte stumpfe Nagelpflege und Beseitigung von Schwielen oder entsprechende Pflege bei regelmäßigen podologischen Konsultationen und
  • Tragen eines diabetesgeeigneten Strumpf- und Schuhwerks.

Bei Patienten mit erhöhtem oder stark erhöhtem Risiko sollte eine spezielle Schulung in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis erfolgen. Patienten, Familienangehörige und alle an der Behandlung Beteiligten sollten über die erforderlichen Maßnahmen, das individuelle Risiko und das definierte Behandlungsziel informiert werden.

Eine regelmäßige podologische Untersuchung und gegebenenfalls eine Behandlung sind sinnvoll. Geeignetes protektives Schuhwerk sollte dem individuellen Risikostatus des Patienten entsprechend fachärztlich verordnet und regelmäßig überprüft werden.

Risikokategorie Befunde Untersuchungs­intervall (Monate)
0 / niedrig keine Polyneuropathie, keine pAVK, bisher keine Fußläsion 12
1 / erhöht sensorische Polyneuropathie 6
2 / erhöht sensorische Neuropathie und Zeichen einer pAVK und/oder Fußdeformitäten 3
3 / stark erhöht früheres Ulkus 1 bis 3
Tabelle 1: Empfohlene ärztliche Kontrollintervalle in Abhängigkeit von der Risiko­kategorie (2); pAVK: periphere arterielle Verschlusskrankheit

Das Apothekenpersonal kann Menschen mit Diabetes bei regelmäßiger Verbandstoffabgabe gezielt auf das Vorliegen eines diabetischen Fußulkus ansprechen. Gesprächsinhalte sollten die Anbindung an ein spezialisiertes diabetisches Fußzentrum und eventuell die Untersuchung und Versorgung in einer spezialisierten diabetischen Fußeinrichtung oder einem Gefäßzentrum sein. Bei einem Wechsel von Verbandsregimen kann man eventuelle Wundheilungsverzögerungen thematisieren.

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