| Melanie Höhn |
| 02.06.2026 16:05 Uhr |
Auch steigende Eigenbeteiligungen, die im Zuge der aktuellen gesundheitspolitischen Reformen geplant sind, könnten chronisch kranke Menschen besonders hart treffen. Viele Schmerzpatienten seien dauerhaft auf Medikamente, Heilmittel, Fahrkosten oder Rehabilitationsangebote angewiesen. Höhere finanzielle Belastungen könnten notwendige Therapien gefährden.
Am heutigen Aktionstag informieren bundesweit Apothekerinnen und Apotheker, Ärztinnen und Ärzte, Kliniken, Pflegeeinrichtungen sowie Patientinnen- und Patientenorganisationen über aktuelle Erkenntnisse und Therapiewege in der Schmerzmedizin. Patientinnen und Patienten können sich für Fragen zur Schmerztherapie von 9:00 bis 18:00 Uhr über die kostenfreie Hotline unter 0800 – 18 18 120 an die Expertinnen und Experten wenden.
Vera Lux, Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe, betonte, dass professionelles Schmerzmanagement zu den Kernaufgaben der Pflege gehöre. Pflegekräfte seien besonders nah an den Patienten und könnten Schmerzen oft frühzeitig erkennen und begleiten. Sie kritisierte jedoch den zunehmenden Personalmangel, den hohen Zeitdruck und die geplanten Einsparungen bei der Pflegefinanzierung. Wenn Pflegepersonal künftig wieder verstärkt organisatorische und logistische Aufgaben übernehmen müsse, bleibe noch weniger Zeit für die direkte Patientenversorgung.
Die Betroffene Heike Norda, Vorsitzende der Patientenorganisation UVSD SchmerzLOS, schilderte die Perspektive von Schmerzpatientinnen anhand ihrer eigenen Krankheitsgeschichte. Sie berichtete von einer jahrelangen Suche nach einer wirksamen Behandlung und davon, dass ihre Schmerzen lange Zeit nicht ernst genommen worden seien. Erst die interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie habe ihr geholfen, ihre Erkrankung besser zu verstehen und mit den Schmerzen umzugehen. Norder kritisierte die häufig langen Wartezeiten und die schwierige Suche nach geeigneten Behandlungsangeboten. Sie berichtete außerdem von Stigmatisierung im Alltag und insbesondere im Berufsleben, weil chronische Schmerzen oft nicht sichtbar seien. Aus Sicht der Patienten dürften Wartezeiten auf eine multimodale Schmerztherapie nicht länger als vier Wochen betragen. Zudem sprach Norda sich gegen Einschränkungen beim Zugang zu modernen Migräne-Medikamenten aus und warnte davor, dass wirtschaftliche Vorgaben die Therapieentscheidungen der Ärzte beeinflussen könnten.