| Melanie Höhn |
| 02.06.2026 16:05 Uhr |
Die Professorin Christiane Hermann, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologische Schmerztherapie und -Forschung und Leiterin der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Justus-Liebig-Universität Gießen machte deutlich, dass chronische Schmerzen nicht allein körperlich bedingt seien, sondern stets im Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren betrachtet werden müssten. Psychische Belastungen wie Angst, Hilflosigkeit oder negative Erwartungen könnten Schmerzen verstärken und ihre Chronifizierung begünstigen. Deshalb sei eine frühzeitige psychotherapeutische Begleitung wichtig, um langfristige Krankheitsverläufe zu verhindern.
Patrick Przybysz, Schmerzphysiotherapeut und Koordinator der Schmerzklinik am St. Vinzenz-Hospital in Düsseldorf, ergänzte, dass moderne Schmerztherapie auf einem ganzheitlichen Verständnis von Schmerz basieren müsse. Die Physiotherapie verstehe sich heute zunehmend als Begleiter und Coach, der Patienten dabei unterstütze, wieder Vertrauen in ihren Körper zu gewinnen und aktiv mit ihrer Erkrankung umzugehen. Er kritisierte rein passive Therapieansätze, weil diese die Eigenverantwortung der Patienten schwächen und Abhängigkeiten von Behandlern fördern könnten.
Bewegung sei ein zentraler Bestandteil der Schmerztherapie, müsse jedoch immer mit einer umfassenden Aufklärung über Schmerzmechanismen verbunden werden. Viele Patienten hätten Angst vor Bewegung und würden schmerzverstärkende Fehlvorstellungen mitbringen, die zunächst abgebaut werden müssten. Przybysz hob hervor, dass dies besonders gut in der interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie gelinge, weil dort alle beteiligten Berufsgruppen eng zusammenarbeiteten und den Patienten ein gemeinsames Behandlungskonzept vermittelten. Der Erhalt solcher spezialisierter Angebote sei daher aus seiner Sicht unverzichtbar.