Gegenüber 2023 verzeichnete laut dem Statistischen Bundesamt die Soziale Pflegeversicherung im Vergleich aller Ausgabenträger den stärksten Anstieg von 11,3 Prozent oder 6,5 Milliarden Euro auf 64,7 Milliarden Euro. / © Adobe Stock/Photographee.eu
Anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April hat Destatis heute über den Stand der Gesundheitsausgaben in Deutschland informiert. Den Auswertungen zufolge sind diese Ausgaben im Jahr 2024 insgesamt um 37,9 Milliarden Euro beziehungsweise 7,6 Prozent gegenüber 2023 gestiegen sind. Der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag demnach 2024 bei 12,4 Prozent und damit 0,6 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Insgesamt haben sich den Angaben zufolge die Ausgaben auf 538,2 Milliarden Euro belaufen– und damit 6.444 Euro je Einwohnerin und Einwohner.
Im Jahr 1994 betrugen laut dem Statistischen Bundesamt die Gesundheitsausgaben in Deutschland 175,3 Milliarden Euro. Die Ausgaben hätten sich somit in den vergangenen 30 Jahren mehr als verdreifacht. »Umgerechnet entsprach dies damals 2.161 Euro je Einwohnerin beziehungsweise Einwohner und einem Anteil am BIP von 9,5 Prozent«, teilte das Bundesamt mit.
Gegliedert nach Einrichtungen des Gesundheitswesens (unter anderem ambulante, teil- und vollstationäre Einrichtungen sowie Rettungsdienste und Gesundheitsschutz) entfiel laut Destatis 2024 mit 259,4 Milliarden Euro fast die Hälfte der Gesundheitsausgaben (48,2 Prozent) auf ambulante Einrichtungen wie zum Beispiel Apotheken oder Arztpraxen. In (teil-) stationären Einrichtungen – hierzu zählen Krankenhäuser, Einrichtungen der (teil-) stationären Pflege sowie Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen – seien insgesamt 197,7 Milliarden Euro aufgewendet worden, was 36,7 Prozent aller Ausgaben entspricht.
Im Vergleich zum Vorjahr sind die Gesundheitsausgaben in fast allen Einrichtungen im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr deutlich gestiegen. Lediglich in der Einrichtung Gesundheitsschutz, zu der unter anderem die Gesundheitsämter, das Robert Koch-Institut (RKI) und das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) zählen, ist den Analysten zufolge ein Rückgang um 1,3 Milliarden Euro (-18,5 Prozent) auf 5,9 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr zu verzeichen. Grund hierfür sei, dass die geleisteten Corona-Ausgaben im Jahr 2024 nahezu vollständig entfielen. Ein Vergleich mit dem Vor-Corona-Jahr 2019 zeige jedoch beim Gesundheitsschutz den stärksten prozentualen Anstieg aller Einrichtungen der vergangenen fünf Jahre. Dieser lag laut Destatis bei 61,5 Prozent oder 2,2 Milliarden Euro. Maßgeblich hierfür waren demnach die mit dem sogenannten Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) unternommenen Anstrengungen, den Gesundheitsschutz zu stärken.
Starke Ausgabenzuwächse hat es auch bei den Arzneimitteln gegeben. Unter anderem durch das Auslaufen des für 2023 einmalig angehobenen Herstellerrabatts für erstattungsfähige Arzneimittel stiegen laut Destatis die Ausgaben im Jahr 2024 gegenüber dem Vorjahr um 7,2 Milliarden Euro beziehungsweise 9,3 Prozent auf 85,1 Milliarden Euro.
Mit 135,9 Milliarden Euro oder 25,3 Prozent hätten die pflegerischen Leistungen, zu der unter anderem die ambulant und stationär geleistete Grund-, Behandlungs- und Intensivpflege zählen, die größte Ausgabenposition gebildet. Mit einem Anstieg von 14,2 Milliarden Euro beziehungsweise 11,6 Prozent sei die Veränderung im Vergleich zum Vorjahr am größten gewesen. Grund hierfür seien insbesondere die gestiegenen Pflegepersonalkosten im stationären Bereich sowie die Pflegegeldzahlungen in der häuslichen Pflege.
Gegenüber 2023 verzeichnete die soziale Pflegeversicherung im Vergleich aller Ausgabenträger den stärksten Anstieg von 11,3 Prozent oder 6,5 Milliarden Euro auf 64,7 Milliarden Euro. Dieser sei insbesondere auf die weiter steigenden Kosten im Zusammenhang mit Pflegegeld und Pflegesachleistungen sowie die Leistungszuschläge für vollstationäre Eigenanteile nach § 43c SGB XI zurückzuführen. Der Anteil der sozialen Pflegeversicherung an den Gesundheitsausgaben entsprach demnach 12,0 Prozent.
Mit einem Ausgabenanteil von 55,9 Prozent ist die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) laut Destatis auch im Jahr 2024 der größte Ausgabenträger im Gesundheitswesen gewesen. Ihre Ausgaben beliefen demnach auf 300,8 Milliarden Euro und lagen somit 7,8 Prozent oder 21,7 Milliarden Euro über denen des Jahres 2023. Empfehlungen zur Eindämmung der Kosten hatte am Montag die Finanzkommission Gesundheit vorgestellt.
Die privaten Haushalte und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck bildeten 2024 mit Gesundheitsausgaben in Höhe von 65 Milliarden Euro oder 12,1 Prozent den zweitgrößten Ausgabenträger. Im Vorjahresvergleich wiesen sie laut Destatis einen Ausgabenanstieg von 5,4 Prozent oder 3,3 Milliarden Euro auf.
Die Ausgaben der Privaten Krankenversicherung (PKV) stiegen demnach um 9,7 Prozent oder 3,9 Milliarden Euro auf 44,8 Milliarden Euro. Auf sie entfielen 8,3 Prozent der Gesundheitsausgaben.
Für das Jahr 2025 prognostiziert die Behörde auf Basis bereits vorliegender und fortgeschriebener Werte einen weiteren deutlichen Anstieg der Gesundheitsausgaben auf 579,5 Milliarden Euro. »Das wären 41,3 Milliarden Euro oder 7,7 Prozent mehr als im Jahr 2024.«
Die vorgestellten Ergebnisse der Gesundheitsausgabenrechnung folgen dem Konzept des »System of Health Accounts«, wonach Ausgaben als gesundheitsrelevant definiert sind, wenn sie das Ziel der Prävention, Behandlung, Rehabilitation und Pflege verfolgen. Weiterführende methodische Erläuterungen zu den Gesundheitsausgaben und ihre Finanzierung werden im Qualitätsbericht im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes beschrieben.