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Erektionsstörungen

Genaue Diagnose ist Herzenssache

Viagra und Co mögen wirksame Medikamente bei Potenzstörungen sein – sie lösen aber nicht das grundlegende Problem, wenn die Ursache der erektilen Dysfunktion Schäden der Blutgefäße im Penis sind. Damit korreliert auch ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko, warnt anlässlich des Weltmännertags am 3. November die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG).
Daniela Hüttemann
02.11.2018
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»Erektionsstörungen sollten jedoch immer fachmännisch und in alle Richtungen abgeklärt werden«, empfiehlt Professor Dr. Frank Sommer, Urologe und Präsident der Fachgesellschaft DGMG in einer Mitteilung. »Neben Stress und einem Testosteronmangel können sich dahinter auch weitaus gefährlichere Ursachen wie kardiovaskuläre Erkrankungen verbergen.«

Vermutet werde ein Zusammenspiel aus Androgenen, chronischen Entzündungen und kardiovaskulären Risikofaktoren, die eine endotheliale Dysfunktion und Arteriosklerose fördern. Als Folge komme es zu Störungen der Mikrozirkulation bis in den Penis hinein. »Die direkte Folge sind Durchblutungsstörungen des Gliedes und des empfindlichen erektilen Apparates mit Symptomen einer beginnenden ED«, schreibt die Fachgesellschaft. Durch chronisch erhöhte Blutfettwerte, arteriosklerotische Veränderungen oder auch infolge eines erhöhten Blutzuckerspiegels komme es im weiteren Verlauf ebenso an den größeren Blutgefäßen des Körpers zu chronischen Entzündungen und Ablagerungen. Die Gefäßwände verlieren schließlich ihre Elastizität, und gleichzeitig wird der Blutfluss immer weiter eingeengt – im Penis ebenso wie im Herzen.

»Aufgrund dieser offensichtlichen und in Studien belegten Zusammenhänge gilt die ED heute als Indikator für mögliche Gefäßerkrankungen – als sogenannte Antenne des Herzens – und zwar zwischen fünf und acht Jahren vor einem drohenden Herzinfarkt oder Schlaganfall«, erklärt Privatdozent Dr. Tobias Jäger, Urologe und Vorstandsmitglied der DGMG.

Von diesem Zusammenhang wissen aber laut einer aktuellen Umfrage der Fachgesellschaft fast drei Viertel der rund 1000 befragten Männer im Alter von 18 bis 70 Jahren nichts. Zu oft würden erste Probleme ignoriert. Die meisten Männer gingen für gewöhnlich erst dann zum Arzt, wenn die anfangs schleichend, dann aber immer schneller sichtbar werdenden Erektionsstörungen die Sexualität und die Paarbeziehung empfindlich zu stören beginnen, heißt es in der Pressemitteilung. »In der Regel hoffen sie, diese gesundheitliche Einschränkung mithilfe eines PDE-5-Hemmers schnell wieder reparieren zu können.«

»Behandelnde Ärzte sollten stets bei Erektionsstörungen auch an noch asymptomatische Herz-Kreislauf-Erkrankungen denken«, mahnt Privatdozent  Dr. Magnus Baumhäkel, Kardiologe, Angiologe und Vorstandsmitglied der DGMG. Wichtig sei, dabei zu wissen, dass Diabetes, Hypertonie und Testosteronmangel, als drei mögliche Ursachen einer ED, ebenfalls Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern. »Nicht immer sieht der Arzt dem Patienten das Risiko für solche Komorbiditäten an, das heißt auch schlanke Männer können Diabetiker, Hypertoniker oder hypogonadal sein«, so Baumhäkel.

Umgekehrt entwickelt etwa jeder zweite Herzpatient Erektionsstörungen – deutlich mehr als im Rest der Bevölkerung. Die Fachgesellschaft betont, dass zuerst die Herz-Kreislauf-Erkrankung behandelt werden muss und erst dann auf eine Verbesserung der Erektion gezielt werden kann.

Foto: Fotolia/peshkova

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