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Bluthochdruck in jungen Jahren

Gefahr für Nerven und Gedächtnis

Bluthochdruck sollte auch bei Jüngeren so früh wie möglich erkannt und behandelt werden – nicht nur dem Herzen, sondern auch dem Hirn zuliebe. Neue Daten einer Langzeitstudie verdeutlichen die Dringlichkeit dieser Empfehlung. Neben den kognitiven Fähigkeiten kann auch die Gangfähigkeit kann Schaden nehmen.
Christiane Berg
14.01.2021  11:38 Uhr

Auch junge Erwachsene sollten regelmäßig ihren Blutdruck selbst messen beziehungsweise vom Hausarzt oder Apotheker bestimmen lassen. Denn: Eine arterielle Hypertonie, also dauerhafte Erhöhung des systolischen Blutdrucks auf über 140 mmHg beziehungsweise des diastolischen Blutdrucks auf 90 mmHg, kann zu Schädigungen nicht nur an Gefäßen und Organen, sondern auch zur Beeinträchtigung der Hirnfunktionen führen.

Das machen in einer aktuellen Mitteilung mit Verweis auf neueste Erkenntnisse einer US-amerikanischen Studie die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) und die Deutsche Hochdruckliga (DHL) deutlich. Das Gehirn und das Gedächtnis seien mehr beeinträchtigt als bislang angenommen. Im Rahmen der von der DGIM und DHL zitierten epidemiologischen Langzeituntersuchung CARDIA (Coronary Artery Risk Development in Young Adults) wurden zwischen 1985 und 1986 mehr als 5000 Teilnehmer zwischen 18 und 30 Jahren aufgenommen. Ihr gesundheitlicher Zustand wurde über 30 Jahre nachverfolgt. Dabei wurden sowohl systolische und diastolische Blutdruckwerte bestimmt. Bei 191 Teilnehmern testeten die Forscher auch kognitive Fähigkeiten wie Gedächtnisleistung und Aufmerksamkeit sowie Gehgeschwindigkeit, Schrittlänge und Gangvariabilität. An 144 Studienteilnehmern wurden zusätzlich MRT-Untersuchungen des Gehirns vorgenommen.

Demnach neigten Probanden mit einer seit jungen Jahren anhaltenden arteriellen Hypertonie in der Lebensmitte nicht nur zu einer langsameren Gehgeschwindigkeit oder kleineren Schrittlänge. Gleichermaßen zeigten sie schlechtere geistige Funktionen unter anderem in den Domänen Exekutive und Gedächtnis.

Die Studien-Autoren führen dies auf Schäden an der weißen Substanz im zentralen Nervensystem zurück, die überwiegend aus Leitungsbahnen und Nervenfasern besteht. Diese werden auch als White Matter Hyperintensities (WMH) beschrieben, die sich vor allem in den MRT-Scans von Betroffenen mit auffälligen Beeinträchtigungen des Gehens als weiße Flecken zeigen.

»Die Studie belegt, dass Bluthochdruck, der im frühen Erwachsenenalter beginnt und über Jahre unbehandelt bleibt, erhebliche Schäden an den neuronalen Verknüpfungen des Gehirns nach sich zieht«, warnt der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), Professor Dr. Sebastian M. Schellong.

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