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Gender und Forschung 
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Geächtet, geforscht, Geschichte geschrieben 

Die Medizin, wie wir sie heute kennen, gäbe es nicht ohne Erfindungen von Frauen und diversen Menschen. Zum Teil wurde die Tragweite und Bedeutung derer Innovationen herabgewürdigt, die jeweilige Erfindung gar nicht anerkannt, oder gestohlen und Männern zugeschrieben. Dies nennt man den »Matilda-Effekt«. 
AutorKontaktPaulina Kamm
Datum 28.05.2026  13:00 Uhr

Queere Forschung heute und damals

Queere Forschende und deren Ergebnisse bleiben bis heute schwer recherchierbar. Dafür gibt es viele Gründe, einer davon liegt wohl auf der Hand: Homosexualität war bis 1994 laut §175 Strafgesetzbuch in Deutschland verboten. »Erst 2004 wurde der letzte 175er Häftling nach zehnjähriger Freiheitsstrafe aus der Haft entlassen«, bestätigt die Deutsche Aidshilfe.

Ein weiterer Grund für die mangelnde historische Transparenz sei, dass die Geschlechter und/oder sexuelle Orientierung der Forschenden nicht immer Erwähnung fanden, geschweige denn dokumentiert wurden. Gelehrte sollen gezielt homosexuelle Inhalte in historischen Dokumenten umgedeutet oder verschleiert haben. Dies beschrieb beispielsweise der Historiker Rictor Norton in »The Suppression of Lesbian and Gay History«. 

Forschende des Max-Planck-Instituts berichten, dass der Zugang zu Forschungs- und Führungspositionen für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Queer, Intersexuelle und Asexuelle (aus dem Englischen LGBTQIA+) Menschen bis heute erschwert ist. Gewährt man ihnen besagten Zugang, leiden die Forschenden demnach unter Diskriminierung und Belästigung im Arbeitsumfeld. Auch die Souveränität der Forschenden werde häufig in Frage gestellt, da sie der Befangenheit bezichtigt werden. 

Forschungsbeiträge aus der LGBTQIA-Community

Sara Josephine Baker lebte laut der Women in Medicine Legacy Foundation (WIMLF) ein gänzlich authentisches Leben – monogam, lesbisch, androgyn. Im Jahr 1908 wurde Baker, wie in der NLM beschrieben steht, die erste Direktorin des New Yorker Büros für Kinderhygiene. Damit leistete sie Pionierarbeit, denn es war das erste Büro dieser Art im ganzen Land, so die NLM. Sie entwickelte demnach Programme zur Hebammenausbildung, zur Grundhygiene und Prävention.

Baker gründete städtisch finanzierte Säuglingsberatungsstellen und  die »Little Mothers Leagues«, um Mädchen ab 12 Jahren in der Säuglingspflege auszubilden. »Als Baker 1923 in den Ruhestand ging, wies New York City die niedrigste Säuglingssterblichkeitsrate aller amerikanischen Großstädte auf«, ist in der NLM dokumentiert. 

Alan L. Hart ging als Erfinder des Goldstandards des frühen Tuberkulose-Screenings via Thoraxradiografie in die Geschichte ein. Er war damit später weit verbreiteten, epidemiologischen Methoden zwanzig Jahre voraus. In der NLM ist beschrieben, dass er als einer der ersten Transmänner in den Vereinigten Staaten, der sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterzog, massiver Diskriminierung ausgesetzt war. 

Beispielsweise wurde Hart während seines Praktikums im San Francisco Hospital von einem ehemaligen Kommilitonen geoutet. In zahlreichen Zeitungsartikeln in der NLM ist dokumentiert, dass Hart aufgrund öffentlicher Anfeindungen und Schikanen häufig gezwungen war umzuziehen. 

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