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Bluthochdruck

Früh erkennen, gleich behandeln

Bluthochdruck ist ein stiller Killer. Still, weil er meist keine Beschwerden verursacht, und Killer, weil 80 Prozent der Herzinfarkte und rund die Hälfte der Schlaganfälle durch Hypertonie bedingt sind. Die Deutsche Hochdruckliga (DHL) ruft nachdrücklich dazu auf, erhöhte Blutdruckwerte ernst zu nehmen. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten.
Annette Mende
23.11.2018
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Welch immense Bedrohung für die Gesundheit Bluthochdruck darstellt, zeigt die Tatsache, dass die Weltgesundheitsorganisation ihn als größte globale Gesundheitsgefahr eingestuft hat. »Bluthochdruck führt zu irreparablen Schäden an lebenswichtigen Organen wie Herz und Niere«, sagte Professor Dr. Helmut Geiger von der Universität Frankfurt am Main bei einer Pressekonferenz der DHL in Berlin. Noch zu häufig empfänden Patienten erhöhte Messwerte aber als Lappalie und gingen gar nicht erst zum Arzt.

Stress, Kaffee oder Fehler bei der Messung: Ausflüchte für einmalig zu hohe Blutdruckwerte gibt es viele. Hat jedoch eine erneute Messung ein paar Tage später ein ähnliches Ergebnis, sollte der Betroffene seinen Arzt aufsuchen. Dieser sollte zur Sicherung der Diagnose eine 24-Stunden-Blutdruckmessung anordnen, so Geiger. Ab welchem Wert ein Bluthochdruck behandlungspflichtig ist, wird in Europa und den USA inzwischen unterschiedlich gesehen. Hierzulande gelte jedoch nach wie vor die »rote Linie 140/90 mmHg«. Eine Veränderung des Lebensstils – Abnehmen, ausreichende Bewegung, gesunde Ernährung – sei jedoch schon früher indiziert.

Die 24-Stunden-Blutdruckmessung ist laut Geiger auch aus einem weiteren Grund wichtig, nämlich um Patienten zu identifizieren, deren Blutdruck in der Nacht nicht absinkt. »Normalerweise fällt der Blutdruck im Schlaf um circa 15 Prozent ab. Bleibt dieser Effekt aus oder steigt der Blutdruck sogar, hat der Betroffene ein sehr stark erhöhtes Schlaganfall-Risiko«, erklärte der Mediziner. Dies lasse sich nur mit einer kontinuierlichen Blutdruckmessung erfassen; sich den Wecker zu stellen und nachts selbst zu messen, sei nicht vergleichbar, denn es gehe um die Messung im Schlaf.

Ein gesünderer Lebensstil kann den Blutdruck um etwa 10 mmHg systolisch und 5 mmHg diastolisch senken – genauso viel wie die Gabe eines Antihypertensivums. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die meisten Menschen nicht in der Lage beziehungsweise willens sind, ihre Lebensweise auf Dauer zu verändern. Auch die Adhärenz zu einer medikamentösen Therapie lässt mit der Zeit deutlich nach, zumal Bluthochdruck ja quasi symptomlos ist und folglich eine abstrakte Bedrohung darstellt.

Positive Ergebnisse für renale Denervation

Eine Alternative zur Tabletteneinnahme stellt seit einigen Jahren die renale Denervation (RDN) dar. Sie unterbricht einen Teufelskreis, der bei Patienten mit Bluthochdruck vorliegt: die Daueraktivierung des Sympathikus. Bei der RDN werden sympathische Nervenfasern einer Nierenarterie verödet. Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv über einen Katheter, der durch die Leistenarterie in die Niere geschoben wird.

»Nach negativen Ergebnissen der US-amerikanischen Studie Symplicity HTN-3 war das Verfahren zunächst in Verruf geraten«, berichtete Professor Dr. Joachim Weil von den Sana Kliniken Lübeck. In der Studie hatte nach sechs Monaten kein Unterschied beim systolischen 24-Stunden-Blutdruck zwischen einer Interventionsgruppe und einer Kontrollgruppe bestanden, die nur mit einer Scheinoperation behandelt worden war. An der Studie habe es jedoch Kritik gegeben, denn der fehlende Effekt könnte der Ungeübtheit der Operateure geschuldet gewesen sein: Viele Behandler hatten nur eine einzige RDN durchgeführt.

Mittlerweile gebe es neue Erkenntnisse dank des SPYRAL-HTN-Studienprogramms. Die Studien, die zum Teil noch laufen, zeigen laut Weil, dass der Effekt der RDN dem eines medikamentösen Blutdrucksenkers vergleichbar ist. »Von Vorteil ist jedoch, dass der Blutdruck durch die RDN dauerhaft gesenkt wird, auch in den frühen Morgenstunden, in denen sich bekanntermaßen die meisten Herz-Kreislauf-Ereignisse zutragen. Auch Wirkstoffschwankungen, etwa beim Vergessen einer Dosis des Blutdrucksenkers, sind kein Thema«, sagte Weil.

Weil die entsprechenden Studienergebnisse erst nach Veröffentlichung der aktuellen Leitlinie publiziert worden seien, gebe es dort lediglich eine Klasse-III-Empfehlung für das Verfahren. Die Kostenübernahme der circa 5000 Euro für einen solchen Eingriff sei daher momentan noch eine Einzelfallentscheidung der Krankenkassen. »Die Studienergebnisse sind aber bisher positiv und wenn sich diese Ergebnisse bestätigen, wird die renale Denervation einen festen Platz im Therapiealltag einnehmen«, ist Weil überzeugt.

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