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Human Challenge Trials

Freiwillig infiziert für die Impfstoffentwicklung

Noch sind keine CHI in Planung. Aber der Zuspruch wird deutlicher. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichte Anfang Mai eine Handlungsempfehlung für ethisch vertretbare CHI. Diese könnten nicht nur die klinische Entwicklung verkürzen und helfen, die besten Kandidaten für größere Feldstudien auszusuchen. Sie könnten auch wichtige Informationen über die Übertragbarkeit des Erregers, die Erkrankung und Immunität liefern, heißt es in dem Bericht. In ihm listet die WHO verschiedene Kriterien auf, die zu erfüllen sind. Neben der Überwachung und Minimierung des Risikos sind dies unter anderem auch hohe Anforderungen an die Aufklärung der Probanden und ihre Einverständniserklärung. Der Prozess sollte so gestaltet sein, dass »quasi kein Zweifel bestehen darf, dass Teilnehmer die potenziellen Risiken verstanden und ihre Zustimmung freiwillig gegeben haben«.

Eyal ist zuversichtlich, dass Human Challenge Trials zu Covid-19-Vakzinen initiiert werden werden. Den Reaktionen auf seine Publikation zufolge könnte sich eine Reihe von Ländern dazu entschließen, sagte er in einem Interview auf der Nachrichtenseite des Fachjournals »Nature« (DOI: 10.1038/d41586-020-00927-3). Ob auch Deutschland dazu gehört, ist unklar. Die Studien müssten dann sowohl vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) als auch von einer Ethikkommission genehmigt werden.

PEI-Präsident Professor Dr. Klaus Cichutek hatte sich vor Kurzem gegen solche Untersuchungen ausgesprochen. Bei einer Pressekonferenz anlässlich der ersten genehmigten Covid-19-Impfstoffstudie in Deutschland sagte er, dass er eine bewusste Exposition der Probanden mit dem Erreger für unnötig halte. »Wir befinden uns in einer laufenden Pandemie«, sagte er. Da werde es ohnehin zu Expositionen mit dem Virus kommen. 

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