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Antibiotika

Fluorchinolone könnten Herzprobleme verursachen

Wissenschaftler haben einen statistischen Zusammenhang zwischen bestimmten Herzproblemen und der Einnahme von Fluorchinolonen hergestellt. Das Risiko, dass die Herzklappen nicht mehr richtig funktionieren, war erhöht.
Aponet (zou)
17.09.2019  17:00 Uhr
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Orale Fluorchinolone erhöhen das Risiko für die Entwicklung einer Aorten- und Mitralinsuffizienz, bei der das Blut in das Herz zurückfließt, auch Regurgitation genannt. Das berichten kanadische Forscher im »Journal of the American College of Cardiology«. Patienten, die Ciprofloxacin oder andere Vertreter dieser Klasse eingenommen hatten, hatten ein 2,4-fach höheres Risiko für diese Herzprobleme verglichen mit Patienten, die Amoxicillin oder Azithromycin verwendet hatten, so das Ergebnis der Vergleichsstudie, in die die Daten von fast 150.000 Versicherten einflossen. Während der Anwendung war das Risiko am höchsten, und es blieb auch danach noch 30 Tage lang erhöht, schreiben die Wissenschaftler von der University of British Columbia.

Viele Ärzte bevorzugen Fluorchinolone wegen ihres breiten Wirkspektrums. »In den meisten Fällen werden sie aber nicht wirklich benötigt. Die unangemessene Verschreibung kann sowohl Antibiotikaresistenzen als auch schwerwiegende Herzprobleme verursachen«, sagt Studienautor Professor Dr. Mahyar Etminan. Die Forscher hoffen, dass die Ergebnisse Ärzte dazu veranlassen, andere Antibiotikaklassen als erste Option für unkomplizierte Infektionen in Betracht zu ziehen. Ihre Studie soll auch dazu beitragen, die Öffentlichkeit und Ärzte darüber zu informieren, dass bei Patienten mit Herzproblemen, bei denen keine andere Ursache entdeckt wurde, möglicherweise Fluorchinolon-Antibiotika dahinterstecken.

Schon länger ist bekannt, dass Fluorchinolone schwere Nebenwirkungen auslösen können. Dazu gehören unter anderem dauerhafte Schädigungen an den Sehnen, Muskeln, Gelenken und dem Nervensystem. Aufgrund dessen hatten die Europäische Arzneimittelagentur und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte im Frühjahr 2019 darüber informiert, dass Fluorchinolone nur noch bei schweren Infektionen verschrieben werden dürfen, für die keine anderen Medikamente zur Verfügung stehen.

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