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TGL-Nordrhein

Flexibel, veränderungsfähig und unverzichtbar

Auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung der TGL (Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter) stand einiges auf der Agenda. Ein neuer Vorstand, ein neuer Beirat und zwei neue Kassenprüfer mussten gewählt werden. Gastrednerin war  ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening.
Kerstin Pohl
29.10.2021  17:00 Uhr

Die TGL-Vorstandsvorsitzende Heidrun Hoch stellte in diesem Jahr das letzte Mal in ihrer 15-jährigen Amtszeit beim TGL den Jahresbericht vor. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf der die Coronapandemie sowie auf den zahlreichen Herausforderungen, die die Apotheker in dieser Zeit bewältigen mussten.

Die Apotheker waren demnach gezwungen, wie ein »Fels in der Brandung« zu sein, sowohl für Mitarbeiter als auch Patienten. Das Gute an der Krise sei gewesen, dass der Stellenwert der Apotheker endlich auch in der Politik wahrgenommen worden und der Rücken der Apotheker gestärkt worden sei. »Sie haben bewiesen, dass Sie Krise können, dass Sie flexibel, veränderungsfähig und letzten Endes unverzichtbar sind«, sagte Hoch. Weitere Herausforderungen ergaben sich durch die AvP-Pleite, die für die betroffenen Apotheken einen großen wirtschaftlichen Schaden bedeutete, und die Hochwasserkatastrophe.

»So mussten wir wieder einmal feststellen, dass es die Sicherheit, die wir uns alle wünschen, leider nicht gibt. Aber das heißt nicht, dass wir nicht das Recht haben auf Verlässlichkeit«, so die Verbandsvorsitzende. Dazu brauche es aber verlässliche Rahmenbedingungen durch die Politik, verlässliche Honorierungen und verlässliche Grenzen für den Versandhandel. Der nächste zu erwartende Kraftakt sei die Einführung des E-Rezeptes, so Hoch. Auch hier erwarte sie vor dem Start von der Politik, dass die Gesetzgebung noch nachgeschärft wird, da sonst die Vor-Ort-Apotheken wieder im Nachteil sein könnten.

Unbestreitbar sei ein Vorteil, den nur eine Vor-Ort-Apotheke nach wie vor bieten kann und nutzen sollte: die Empathie, die den Kunden immer wieder aufs Neue entgegengebracht werden müsse und Vertrauen schaffe. Denn nur so könne man den Kunden oder Patienten auch in Zukunft an die Apotheke binden und dem Versandhandel entgegenwirken, gerade jetzt im Hinblick auf das zukünftige E-Rezept.

Zukünftige Konzepte

Hoch bedauerte, dass das von der TGL entwickelte LOB-Konzept (Leistungsorientierte Bezahlung) coronabedingt nicht weiter überarbeitet werden konnte. Dabei betonte sie, dass es von fachlicher Seite, nämlich dem Unternehmerverband NRW, ausdrücklich in der jetzigen Form gelobt worden sei. Als Erfolg betrachtet sie, dass in Sachsen schon vor geraumer Zeit Interesse dafür bestand.

Der bisher nicht tariflich gebundene Verband hat inzwischen erfolgreich verhandelt und man hofft auf einen baldigen Abschluss. Auch ein Tarifvertrag LOB soll diesen ergänzen.

Der Fachkräftemangel werde zunehmend eine Belastung und  die Apotheker auch in Zukunft beschäftigen, sagte Hoch. Zahlen, die bereits auf dem Apothekertag vorgestellt wurden, machten das deutlich. Demnach werden 2029 rund 28.000 neue Stellen zu besetzen sein. Nur ein Drittel aller Approbierten entscheide sich für die Tätigkeit in einer Apotheke und die Nachfrage nach Teilzeitarbeit nehme zu. Dieses Dilemma sei allerdings nicht nur durch Lohnerhöhungen zu beheben, vielmehr sollte auch an leistungsbezogene Gehälter oder Fort- und Weiterbildungsmodule gedacht werden. Auch die ABDA will nun ein Konzept zur Nachwuchsgewinnung entwickeln, was Hoch ausdrücklich begrüßte.

Geschlossenheit zeigen

Welche Agenda die ABDA zukünftig einschlagen wird, erläutere die Gastrednerin, ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening, in ihrem Vortrag »Agenda 2021 bis 2041«. Das oberste Ziel müsse eine Geschlossenheit der Apotheker sein. Sie betonte, dass sich das vor allem in der Coronapandemie deutlich gezeigt habe. So wurden kurzfristig Masken ausgegeben, Millionen Liter Desinfektionsmittel hergestellt und allein in Nordrhein-Westfalen 15,1 Millionen Impfdosen konstituiert, unter der Mithilfe von 15.000 freiwilligen Apothekenmitarbeitern.

Gerade in dieser Ausnahmesituation habe sich gezeigt, wie erfinderisch und flexibel Apotheker sind. So war beispielsweise bei der Herstellung von Desinfektionsmitteln Kreativität und Erfindungsgeist gefragt, als es um die dafür notwendige Beschaffung von Alkohol und die Abfüllung in adäquate Behälter ging.

In der Pandemie habe sich die Präsenz und Qualität der Apotheker gezeigt: »Wir sind Problemlöser«, sagte Overwiening. »Wir müssen operativ und kreativ sein, auch fit im Kopf für die zukünftige digitale Welt.« Dass das funktioniert, zeigt sich in der Ausstellung der digitalen Impfausweise, von denen 48 Millionen in Apotheken erstellt wurden.

Durch dieses Engagement sei eine völlig andere Haltung zu Apotheken entstanden. Diese Haltung, die den Apothekern gut steht und auch Halt geben wird in Zusammenarbeit mit der Politik und den Krankenkassen, solle beibehalten werden, so die ABDA-Präsidentin. »Dann können wir Dinge ganz anders einfordern«.

Nachwuchs heranziehen

Auch auf die Nachwuchsproblematik ging die ABDA-Präsidentin ein, wobei sie dafür plädierte, Studierende frühzeitig für den Arbeitsplatz in der öffentlichen Apotheke zu gewinnen. Viele kleine Aspekte würden dazu beitragen, den Nachwuchs zu motivieren. Wichtig sei eine gute Identifizierung für junge Leute, die den Beruf des Apothekers ergreifen wollen: Helfen und für andere da sein, nach dem Motto »Ich bin der Problemlöser, der Schalter, der Lotse«. Dazu müssten aber auch entsprechende Rahmenbedingungen und Honorierungen geboten werden mit einem entsprechenden finanziellen Unterbau.

Das Verhalten der Apotheker seit dem EuGH-Urteil 2016 war eher gekennzeichnet durch eine defensive Haltung. Heute hingegen bieten die Apotheker Lösungen an. Man traue den Apothekern jetzt viel mehr zu und deshalb solle man nicht in eine Retardierung verfallen, sondern seine Aufmerksamkeit darauf richten, wo man hin wolle, also auf etwas Gestalterisches und auf die Zukunft, sagte Overwiening. Wie beispielsweise die Unterstützung der Arzneimitteltherapie durch die Digitalisierung, die dazu beitragen kann, den Patienten weiter zu unterstützen wie mit dem Hinweis auf eine Medikamenteneinnahme.

Das E-Rezept, das im Moment noch für viele Irritationen sorge, solle zum 1. Januar 2022 »mit Gewalt« kommen. »Aber wir Apotheker sind im Vergleich zu anderen brillant aufgestellt und sollten das als Chance nehmen. Das ermöglicht eine engere Bindung an den Patienten«, sagte die ABDA-Präsidentin. Generell solle der Nutzen der Apotheker in der Gesellschaft immer deutlich gemacht werden. »Lassen Sie uns zuversichtlich sein, auch in Zukunft«, so ihr Fazit.

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