| Jennifer Evans |
| 12.05.2026 12:00 Uhr |
Risiko Fitness-Post: Inhalte gesundheitsbezogener Beiträge können Körperbild und Emotionen negativ beeinflussen, warnen Forschende. / © Shutterstock/Aleksandr Khmeliov
Viele scrollen täglich durch Posts von perfekt inszenierten Körpern, Tipps für gesunde Ernährung und ideale Workouts. Fitspiration heißen die Social-Media-Inhalte, die durch gezieltes Ess- und Bewegungsverhalten zu einem besseren Lebensstil inspirieren und motivieren wollen.
Eine Metaanalyse zeigt, wie stark solche Beiträge junge Erwachsene beeinflussen. Anhand von 26 Studien mit mehr als 6100 Teilnehmenden entdeckten Forschende, dass der Content oft negative Auswirkungen auf die Konsumentinnen und Konsumenten hat – bereits bei kurzer Konfrontation. Schon wenige Bilder genügten, um bei den 18- bis 33-Jährigen aus sieben Ländern schädliche soziale Vergleiche auszulösen, ihre Stimmung zu drücken oder ihr Selbstwertgefühl zu schwächen, heißt es.
Geleitet hat die Untersuchung Dr. Valerie Gruest von der Northwestern University in Illinois, die 2016 als Schwimmerin bei den Olympischen Sommerspielen antrat. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift »Health Communication« veröffentlicht.
Sichtbar wird außerdem, wie allgegenwärtig diese Inhalte sind. Rund 100 Millionen Beiträge nutzen Hashtags wie »#fitspo« oder »#fitspiration« und verzeichnen laut Studie allein auf Instagram und Tiktok mehr als 62 Milliarden Aufrufe. Und 33 Prozent der Content-Ersteller posten täglich, ihre Follower sehen die Beiträge bis zu fünfmal am Tag – absichtlich oder zufällig.
Diese Flut an idealisierten Körpern motiviert jedoch nicht nur, sondern erzeugt vor allem Druck. Viele Menschen entwickelten daraus unrealistische Ziele für ihre Ernährung oder ihr Training, so die Forschenden. Das ließe sich bei Frauen genauso beobachten wie bei Männern – unabhängig von Alter oder Body-Mass-Index (BMI).
Die Forschenden betonen, dass Fitspiration zwar zunächst »gesund wirkt«, aber eher schädlich als nützlich sein kann. Im Gegensatz zu früher meist subtilen Darstellungen von Fitness und Schönheit, bombardierten die Beiträge ihre Follower nun mit »direkten und unerbittlichen Botschaften«, die sie zum Erreichen von Fitnesszielen drängten, schreibt das Autorenteam. Manchmal sogar zusammen mit vermarktbaren Programmen und Produkten.
Unklar bleibt jedoch, was genau die negativen Reaktionen auf die Beiträge auslöst – Ideale von Schlankheit, Muskulatur und Ästhetik? Oder gar die Produkte und Programme selbst, die schnelle Erfolge versprechen – und wohl nicht immer halten.