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Duchenne-Muskeldystrophie

FDA stoppt Gentherapiestudie von Pfizer

Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat eine Phase-Ib-Studie mit Pfizers Mini-Dystrophin-Gentherapie-Kandidaten PF-06939926 zur Behandlung der Duchenne-Muskeldystrophie vorerst angehalten. Ein Studienpatient war gestorben.
Theo Dingermann
23.12.2021  15:00 Uhr

Nach dem Tod eines Studienteilnehmers hat die FDA eine Studie zur Untersuchung der Sicherheit und Verträglichkeit einer Gentherapie mit dem Wirkstoff PF-06939926 bei Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) ausgesetzt. Im Rahmen dieser multizentrischen, nicht-randomisierten, aufsteigend dosierten Studie erhalten ambulant und stationär behandelte männliche Patienten mit DMD eine Dosis PF-06939926. Dem Schreiben der FDA zufolge handelt es sich bei dem verstorbenen Patienten um einen Probanden aus der stationär behandelten Kohorte der Studie.

Bei PF-06939926, das auch als Fordadistrogene movaparvovec bezeichnet wird, handelt es sich um ein rekombinantes Adeno-assoziiertes Virus von Serotyp 9 (AAV9), in dessen Genom ein Gen für ein Mini-Dystrophin, eine verkürzte Version des menschlichen Dystrophin-Gens, unter der Kontrolle eines muskelspezifischen Promotors einkloniert ist.

Pfizer bestätigt gegenüber dem Nachrichtenportal »Genetic Engineering & Biotechnology News«, dass die Sicherheits- und Dosisfindungsstudie angehalten wurde, um mit der gebotenen Sorgfalt die Daten mit dem unabhängigen externen Datenüberwachungsausschuss der Studie überprüfen zu können.

»Im Namen aller Mitarbeiter von Pfizer sprechen wir der Familie, den Freunden und denjenigen, die dem Verstorbenen am nächsten stehen, unser Beileid aus«, erklärte Pfizer. »Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir noch keine vollständigen Informationen, arbeiten aber aktiv mit dem Prüfarzt der Studie zusammen, um zu verstehen, was passiert ist. Wir werden so bald wie möglich weitere Informationen an die medizinische Fachwelt und die Patienten weitergeben«, versprach Pfizer.

Dass das klinische Studienprogramm nicht ganz rund läuft, hatte man bereits Anfang dieses Jahres erahnen können. Damals sah sich Pfizer gezwungen, eine Protokolländerung vorzunehmen, die die Teilnahme an der laufenden Phase-III-Studie CIFFREO mit Fordadistrogene movaparvovec für ambulante Patienten mit DMD einschränkt, nachdem drei schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SAEs) von Muskelschwäche, darunter zwei Fälle von Myokarditis, in den Studien aufgetreten waren. Der externe Datenüberwachungsausschuss der Studie hatte festgestellt, dass bestimmte Mutationen im Dystrophin-Gen mit einem höheren Risiko für diese SAEs nach der Behandlung mit der Therapie verbunden sein könnten.

Bisher ist für die Behandlung bestimmter DMD-Patienten Eteplirsen (Exondys™ 51, Sarepta Pharmaceuticals) zugelassen. Erst kürzlich hatte der Schweizer Pharmakonzern Roche die Übernahme der US-Biotechunternehmen Sarepta bekanntgegeben, das ebenfalls an einer Gentherapie zur Behandlung der Krankheit arbeitet.

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