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Hand-Fehlbildungen

Experten warnen vor voreiligen Schlüssen

Fachleute der Mainzer Universitätsmedizin haben im Fall der ungewöhnlichen Häufung von Fehlbildungen Neugeborener an einer Gelsenkirchener Klinik vor voreiligen Schlüssen gewarnt. Professor Dr. Fred Zepp, Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin, sprach »erstmal nur von einem frühen Signal«. 
dpa
18.09.2019  16:02 Uhr

Es müsse jetzt untersucht werden, wie stark sich die Befunde der Hand-Fehlbildungen ähnelten und ob es sich tatsächlich um eine Häufung oder nur um zufällige Ereignisse handle, sagte Zepp heute auf einer Pressekonferenz in Mainz. Zugleich forderte er fünf bis sechs regionale Geburtenregister nach Mainzer Vorbild in Deutschland.

Die Mainzer haben von 1990 bis 2016 in einem solchen Register alle Neugeborenen in der Region erfasst und dabei in Rheinhessen keine Häufung von Hand-Fehlbildungen festgestellt. Auch in den vergangenen zwei, drei Jahre seien solche Fehlbildungen nicht gehäuft aufgefallen. In den mehr als 25 Jahren des Geburtenregisters seien fast 100.000 Neugeborene untersucht und erfasst worden.

Die Mainzer Mediziner forderten solche Register für 10 bis 15 Prozent der jährlich rund 700.000 Geburten in Deutschland. Dies sei eine hervorragende und ausreichende Basis für Fragen von neu entstehenden Fehlbildungen.

Im Gelsenkirchener Sankt Marien-Hospital Buer waren zwischen Mitte Juni und Anfang September drei Kinder mit fehlgebildeten Händen geboren worden. Zuvor hatte es dort jahrelang keinen einzigen solchen Fall gegeben. Die Klinik selbst hat eine vertiefte Ursachenforschung angekündigt. Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium will alle Kliniken in NRW abfragen, ob dort ähnliche Fehlbildungen aufgefallen sind. Auch andere Bundesländer starteten solche Abfragen.

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