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GLP-1-Agonisten

Exenatid verspricht Nutzen bei Morbus Parkinson

Der Typ-2-Diabetes-Wirkstoff Exenatid soll in einer Phase-III-Studie bei Patienten mit Morbus Parkinson untersucht werden. Vorherige Ergebnisse zeigen, dass der GLP-1-Agonist möglicherweise neuroprotektive Eigenschaften besitzt.
Sven Siebenand
29.10.2020  14:30 Uhr

An der randomisierten und placebokontrollierten Doppelblindstudie sollen insgesamt 200 Patienten mit Morbus Parkinson teilnehmen. Die Verumgruppe erhält über einen Zeitraum von 96 Wochen alle sieben Tage eine subkutane 2-mg-Injektion der Depotvariante von Exenatid (Bydureon®). Im primären Endpunkt wollen die Wissenschaftler vom University College London die Veränderungen auf einer Skala zur Verlaufsbeobachtung bei Morbus Parkinson auswerten. Die neue Studie baut auf einer früheren auf. Diese ergab, dass Menschen mit Morbus Parkinson, die sich ein Jahr lang jede Woche Exenatid injizierten, bei Bewegungstests bessere Ergebnisse erzielten als Menschen, die ein Placebo injizierten.

Nun veröffentlichte Resultate stützen diese früheren Studienergebnisse. Zudem deuten sie darauf hin, dass Exenatid möglicherweise vor Morbus Parkinson schützen könnte. In »Brain« hat ein Autorenteam um Ruth Brauer, ebenfalls vom University College London, Ergebnisse einer Kohortenstudie publiziert. Die Forscher untersuchten Patientenakten von insgesamt 100.288 Typ-2-Diabetikern aus einer Datenbank. Dabei fanden sie heraus, dass im Nachbeobachtungszeitraum von 3,3 Jahren Typ-2-Diabetiker, die mit einem GLP-1-Agonisten oder einem DPP-4-Hemmer behandelt wurden, ein geringeres Risiko aufwiesen, an Morbus Parkinson zu erkranken, als Typ-2-Diabetiker, die andere Medikamente erhalten hatten. Bei denjenigen, die einen GLP-1-Agonisten bekamen, war das Parkinson-Risiko um 60 Prozent niedriger im Vergleich zur Gruppe von Patienten mit anderen Antidiabetika auf dem Medikationsplan. Zu erwähnen ist jedoch, dass Insulinanwender nicht in den Vergleich mit einbezogen wurden.

Welche Erklärung könnte es für einen neuroprotektiven Effekt von GLP-1-Rezeptoragonisten wie Exenatid geben? GLP-1-Rezeptoren befinden sich auch im Gehirn. Möglicherweise bewirken sie dort eine Stabilisierung von dopaminergen Neuronenverbindungen und verbessern damit die Parkinson-Symptomatik.

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