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Kommentar

Ex-Wirtschaftsweiser Rürup mit falscher Apotheken-Rechnung

Rürup über die »Gewinnmarge« der Apotheken

Als weiteres Beispiel für ineffiziente Strukturen nennt Rürup dann auch das »kostenintensive Apothekennetz“ – und wird dann ungenau. Denn er beschreibt, dass die »Gewinnmarge« (!) der Apotheken von den rund 37,6 Milliarden Euro, die die Kassen 2020 für den gesamten Arzneimittelsektor ausgaben, bei 14,7 Prozent liege. Die Krankenkassen koste dies jedes Jahr rund 5,5 Milliarden Euro, so die Rechnung. Heißt konkret: Laut Rürups Rechnung gingen rund 15 Prozent der GKV-Arzneimittelausgaben für die Gewinne der Apotheken drauf, rein rechnerisch hätte also jede Apotheke 2020 einen Vorsteuergewinn (Rohertrag minus Kosten) von rund 290.000 Euro gemacht.

Das ist allerdings falsch. Denn die Durchschnittsapotheke hatte 2020 (laut ABDA-Statistik) ein steuerliches Betriebsergebnis von rund 168.000 Euro. Wo liegt also Rürups Fehler? Ganz einfach: Die vom Wirtschaftsexperten zitierten 14,7 Prozent beziehen sich nicht auf die »Gewinnmarge« der Apotheken sondern auf deren Rohertrag. Dieser lag 2020 – wie Rürup richtig vorrechnet – bei 5,45 Milliarden Euro. Von dieser absoluten Summe muss man allerdings noch die Kosten der Apotheken, beispielsweise für Personal und Versicherungen, abziehen, um auf deren tatsächlichen Gewinn zu kommen. Hätte Rürup die Gewinnmarge der Apotheken richtig berechnet, wäre er auf einen Wert von rund 6 Prozent gekommen: Denn die Gewinnmarge ist ein prozentualer Wert, der sich auf den Nettoumsatz bezieht. Dahinter steht die Frage, wie viel Gewinn einem Unternehmen vom Umsatz bleibt. Da die Durchschnittsapotheke im Jahr 2020 einen Nettoumsatz von rund 2,8 Millionen Euro und ein Betriebsergebnis von 168.000 Euro, liegt die Gewinnmarge der Apotheken bei rund 6 Prozent.

Was bleibt, ist wieder einmal das Bild der wohlverdienenden Apothekerschaft, die sich an der Gemeinschaft bereichert und dabei auch noch ineffiziente Versorgungsstrukturen zur Verfügung stellt. Das ist schade, denn gerade von Ex-Wirtschaftsweisen und der wirtschaftlichen Fachpresse müsste man erwarten können, dass Forderungen und Argumente auf einer sauberen Faktenbasis stehen. Hier ist dies nicht der Fall gewesen.

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