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Prognosen

EU-Zulassung für erste Corona-Impfstoffe noch dieses Jahr erwartet

Sowohl das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) als auch die EU-Kommission gehen davon aus, dass noch in diesem Jahr oder spätestens Anfang kommenden Jahres erste Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 zugelassen werden. Bis die Bevölkerung ausreichend durchimpft ist, könnte es aber ein weiteres Jahr dauern.
PZ/dpa
10.08.2020  14:00 Uhr

«Ich gehe derzeit davon aus, dass es Ende 2020 und Anfang nächsten Jahres Zulassungen geben wird, vorausgesetzt, die Phase-III-Prüfungsdaten sind positiv», sagte PEI-Präsident Professor Dr. Klaus Cichutek dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Diese Zulassungen würden dann voraussichtlich mit der Auflage verbunden, weitere Daten nachzuliefern, sagte Cichutekeinem RND-Bericht vom Sonntag zufolge.

Positiv sei insbesondere, «dass unterschiedliche Impfstoffkandidaten eine Immunantwort beim Menschen gegen das SARS-Coronavirus 2 hervorrufen», nimmt Cichutek auf die Auswertungen der Phase-I- und -II-Studien Bezug. Zudem sei dies mit Dosierungen gelungen, «die sich als verträglich erweisen». Ähnlich hatte sich Cichutek vor einer Woche bereits im ZDF-«heute-journal» geäußert und von sehr guten Neuigkeiten gesprochen. Unter Wissenschaftlern ist unklar, wann ein Impfstoff zur Verfügung stehen könnte. Theoretisch könnte eine Entwicklung auch noch Jahre dauern oder sogar ganz scheitern. 

Doch auch nach Einschätzung von EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides könnte ein erster Impfstoff gegen Covid-19 bereits zum Jahresende zur Verfügung stehen. «Auch wenn Vorhersagen zum jetzigen Zeitpunkt noch riskant sind, haben wir doch gute Hinweise, dass der erste Impfstoff gegen Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres verfügbar sein wird», sagte Kyriakides dem «Handelsblatt» online am Sonntag.

Die EU-Kommission ist letztlich die Instanz, die Arzneimittelzulassungen erteilt, auch für Impfstoffe. Für die Covid-19-Vakzinen läuft laut PEI ein von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA koordiniertes Zulassungsverfahren, bei denen die Bewertung der Anträge durch nationale Arzneimittelbehörden erfolgen, die Zulassung aber zentral durch die EU-Kommission

Derzeit zählt der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) mehr als 170 Projekte zur Entwicklung von Corona-Impfstoffen, davon befinden sich bereits fünf Kandidaten in der Phase III, also der entscheidenden klinischen Phase, wo überprüft wird, ob die Impfung wirklich vor einer Ansteckung schützt.

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