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Internet-Screening

EU prüft angebliche Wundermittel gegen das Coronavirus

Ein europaweites Internet-Screening soll Verbraucher vor angeblichen Wundermitteln gegen das Coronavirus schützen. Das europäische Netzwerk für die Zusammenarbeit im Verbraucherschutz (CPC) beanstandete 206 von insgesamt 268 untersuchten Internetseiten.
Charlotte Kurz
27.05.2020
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Mundwasser, Sesamöl, Silberwasser oder der Urin von Kühen – auf vielen Internetseiten kursierten in den letzten Wochen kuriose bis sehr gefährliche Tipps für angebliche Wundermittel gegen das Coronavirus. Von harmlosen Hausmitteln wie Knoblauch oder Zwiebeln bis hin zu toxischen Mitteln wie beispielsweise hochverdünntes Arsen wurde einiges angepriesen, um sich vor dem neuen Virus zu schützen. Die Europäische Kommission hat der Verbreitung dieser wenig hilfreichen bis stark gesundheitsschädlichen Inhalte jetzt Einhalt geboten.

Im Rahmen eines EU-weiten Screenings von Webseiten konnten Millionen von falschen und betrügerischen Inhalten entfernt oder blockiert werden. Ende April startete der sogenannte Sweep, sprich Durchforstung, um irreführende Inhalte, die gegen die EU-Verbraucherregeln verstoßen, zu identifizieren und zu löschen. Der EU-Kommissar für Justiz und Verbraucher Didier Reynders sprach von einem Erfolg: »Die großen Online-Plattformen haben positiv auf die Aufforderung der Europäischen Kommission reagiert, gegen Betrug und irreführende Angebote vorzugehen, und haben sich klar zur Beseitigung schädlicher Inhalte bekannt.« Das jüngste Screening habe gezeigt, dass unseriöse Geschäftemacher weiterhin neue Wege fänden, um die Schwachstellen der Verbraucher auszunutzen, algorithmische Prüfungen zu umgehen und neue Websites einzurichten. Inmitten einer globalen Pandemie müssten sich die Verbraucher dessen bewusst sein - es gebe  keine Wundermittel im Internet. Reynders ist nach eigenen Angaben »dankbar, dass die nationalen Verbraucherbehörden weiterhin in höchster Alarmbereitschaft sind und mit der Kommission zusammenarbeiten, um die Verbraucher online zu schützen«.

Alle 27 EU-Mitgliedstaaten beteiligt

Die EU zog dabei an einem gemeinsamen Strang: Im Zusammenschluss des europäischen Behördennetzwerks Consumer Protection Cooperation (CPC) führten alle Verbraucherschutzbehörden der 27 Mitgliedstaaten die Screenings in ihren Ländern durch. Insbesondere bei Angeboten für Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel sowie Lebens- und Nahrungsergänzungsmittel, die angeblich eine heilende Wirkung im Zusammenhang mit dem Coronavirus vorweisen würden, sahen die Behörden genauer hin.

Das Screening nahm insgesamt 268 Websites unter die Lupe, von denen 206 wegen möglicher Verstöße gegen das EU-Verbraucherrecht vorgemerkt wurden. Davon enthielten 88 Internetseiten Angebote für Produkte mit angeblich heilender oder präventiver Wirkung gegen das Virus, 30 wiesen ungenaue Behauptungen über den Mangel bestimmter Produkte auf und 24 wurden unlauterer Praktiken zur Erzielung überhöhter Preise verdächtigt.

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