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Antibiotika-Alternative
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Erste Leitlinie zur Phagentherapie

Phagentherapie gilt als Hoffnung für Patienten mit Infektionen, bei denen Antibiotika nicht wirken. Jetzt gibt es erstmals eine Leitlinie für eine personalisierte Therapie. Die Herstellung soll in Apotheken erfolgen.
AutorKontaktdpa
Datum 21.09.2026  15:45 Uhr

Warnung vor gefährlichen Produkten aus dem Internet

Würstle warnte davor, »gefährliche Phagenprodukte« im Internet zu bestellen. Derzeit sei zudem ein kostspieliger Medizintourismus zu beobachten. »Man versteht jede Patientin und jeden Patienten, der verzweifelt ist und nach dem letzten Strohhalm greift«, sagte die Forscherin. Allerdings könnten einige der angebotenen Produkte nach aktuellem Kenntnisstand gar nicht wirken.

Anders als bei breit wirkenden Antibiotika muss die Behandlung individuell auf den jeweiligen Patienten und den jeweiligen Erreger abgestimmt werden, wie aus der Leitlinie hervorgeht. »Wenn es mehrere Bakterien in der Infektion gibt, sollten auch alle relevanten Bakterien getestet werden«, sagte Würstle.

Patientenindividuelle Herstellung in der Apotheke

Den Empfehlungen zufolge sollten interdisziplinäre Teams (neben Ärzten auch Mikrobiologen und Pharmazeuten) darüber entscheiden, ob eine individuelle Phagentherapie sinnvoll ist. Praktikabler als eine industrielle Herstellung nach dem Arzneimittelstandard sei die individuelle Herstellung für einen bestimmten Patienten in einer Apotheke nach definierten Qualitätskontrollen und Standards.

Den Experten zufolge muss die Therapie zudem engmaschig begleitet werden, sowohl von Ärzten als auch im Labor. Demnach kann eine Phagentherapie Nebenwirkungen verursachen. Denn wenn viele Bakterien schnell zerfallen, können bakterielle Bestandteile freigesetzt werden, was unter anderem Fieber und Entzündungsreaktionen auslösen kann.

Resistenzbildung auch gegen Phagentherapie möglich

Zudem kann die Waffe stumpf werden. »Wir sehen eigentlich regelmäßig die Ausbildung von bakteriellen Resistenzen auf die Phagen, die gegeben werden. Das ist nichts Ungewöhnliches«, sagte Annika Yanina Claßen von der Uniklinik Köln, die auch zu den Autorinnen der neuen Leitlinie gehört. Demnach wird die Phagentherapie in anderen Ländern wie Belgien und den USA bereits sicher und legal angewandt.

Im Februar sei die bundesweit erste leitliniengerechte Therapie am Uniklinikum Frankfurt gestartet, berichtete Würstle. Seitdem seien zehn Patientinnen und Patienten erfolgreich behandelt worden. Aktuell könne hier gegen die Bakterien Pseudomonas und Staphylococcus aureus therapiert werden, und zwar über die Vene, als Nasenspray und als steriles Hydrogel bei Wunden.

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