Bakteriophagen sind Viren, die hochspezifisch Bakterien infizieren, sich in ihnen vermehren und sie dann töten können. Wir haben Billionen von ihnen im Körper – mehr als Bakterien. Therapeutisch müssen gezielt die passenden Phagen selektiert werden. / © Getty Images/Science Photo Library/Nanoclustering
Unzählige Menschen in Deutschland leiden unter hartnäckigen bakteriellen Infektionen – von Harnwegs- oder Wundinfektionen bis hin zu schweren Blutvergiftungen. Wenn Antibiotika in solchen Fällen nicht oder nicht mehr wirken, kann das gerade bei älteren Menschen oder Patienten mit geschwächtem Immunsystem zum Tod führen.
Wegen des zunehmenden Problems mit Antibiotika-Resistenzen bekommt die sogenannte Phagentherapie seit einigen Jahren verstärkt Beachtung. Deutsche Expertinnen und Experten haben jetzt erstmals eine Leitlinie mit 60 Empfehlungen präsentiert, prominent veröffentlicht in »Nature Medicine«. Sie richtet sich an Ärztinnen und Ärzte, die an der Behandlung bakterieller Infektionen bei Erwachsenen und Kindern beteiligt sind. Federführend bei der Erarbeitung war die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie, Unterstützung gab es auch von internationalen Fachgesellschaften.
Die Phagentherapie wird in der Leitlinie als Möglichkeit beschrieben, wenn klassische Therapien nicht oder nicht mehr greifen. Hauptautorin Silvia Würstle vom Universitätsklinikum Frankfurt betonte: »Phagen sind keine Wunderwaffen.« Ihr zufolge existieren bisher nur sehr wenige Studien, die eine Wirksamkeit von Phagen untersuchen und belegen. In einer Untersuchung von 100 aufeinanderfolgenden Fällen aus Belgien sei es »zu ungefähr 70 Prozent zu einer klinischen Verbesserung« gekommen, sagte Würstle. »Aber manchmal wirkt es eben nicht.«
Phagen – genauer gesagt Bakteriophagen – sind Viren, die hochspezifisch Bakterien infizieren, sich in ihnen vermehren und sie dann töten können. Wir haben Billionen von ihnen im Körper – mehr als Bakterien. Entdeckt wurden die natürlichen Gegenspieler der Bakterien im Körper bereits vor mehr als 100 Jahren, jedoch gerieten sie wegen der Nutzung von Antibiotika mit ihrer viel breiteren Wirksamkeit lange in den Hintergrund. In Osteuropa gibt es hingegen eine längere Tradition dieser Therapieform.