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Telematik-Infrastruktur

Erste Apotheken sind ab heute an TI angeschlossen

Lange haben die Apotheker auf die Anbindung an die Telematik-Infrastruktur (TI) gewartet. Jetzt sind die ersten Apotheken, darunter die Apotheke der AKWL-Präsidentin Overwiening, bereit, die neuen digitalen Möglichkeiten zu nutzen und Patienten eine bessere Versorgung zu ermöglichen.
Charlotte Kurz
24.07.2020  15:06 Uhr

Die TI-Anbindung der Apotheken in Deutschland kommt an diesem Freitag langsam aber sicher in Fahrt. Die ersten Apotheken sind seit heute an die TI angebunden, die digitale Autobahn zwischen den Akteuren des Gesundheitswesens. Vorreiter ist Jens Wiegland, Apothekeninhaber der Kronen Apotheke in Undenheim in Rheinland-Pfalz, der bereits seit heute Morgen an die TI angebunden ist. Damit stehen für ihn die Voraussetzungen bereit, um mit Anwendungen wie dem elektronischen Medikationsplan (EMP) und dem Notfalldatenmanagement arbeiten zu können.

Künftig können Patienten unter anderem ihre Notfalldatensätze sowohl auf der elektronischen Gesundheitskarte (EGK) als auch in der elektronischen Patientenakte (EPA) speichern. Auf beiden können insbesondere Diagnosen, aber auch Unverträglichkeiten und Medikationen gespeichert werden. Mit der digitalen Neuerung sollen Apotheker nun auch die Möglichkeit haben, auf den Medikationsplan digital zuzugreifen und diesen auch aktualisieren zu können. Medikationsempfehlungen können demnach in Zukunft besser und individueller auf die Kundenbedürfnisse abgestimmt werden.

Overwienings Apotheke auch am Netz

Auch die Apothekerin und Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) Gabriele Regina Overwiening hat ihre Apotheke am Borkener Klinikum in Borken am heutigen Freitag an die TI angeschlossen. »Ich war überrascht wie schnell das ging. In einer guten Stunde war alles vorbei«, erklärte Overwiening. Auf die neuen Möglichkeiten, die die TI-Anbindung mit sich bringt, freut sich die AKWL-Präsidentin: »Gerade die Älteren wissen oft gar nicht, was alles möglich ist, zeigen aber eine hohe Bereitschaft mitzumachen«.

Apothekeninhaber Wiegland aus Undenheim freut sich ebenfalls über die Anbindung: »Für uns liegen die Vorteile der TI ganz klar auf der Hand. Die TI ermöglicht eine sektorenübergreifende sichere Vernetzung aller Akteure im Gesundheitswesen. Darauf haben wir Apotheker lange gewartet.« Denn die Apotheker sind laut Wiegland oft der erste Ansprechpartner bei Fragen rund um die Gesundheit. Er betont zudem, dass auch die Arzneimitteltherapiesicherheit nun gesteigert werden kann, da Wechselwirkungen oder Kontraindikationen frühzeitig erkannt und dementsprechend vermieden werden können. Und nicht zuletzt stärke der digitale Schritt in die Zukunft durch das verbesserte Beratungsangebot auch die Wettbewerbsposition als Präsenzapotheke, ist Wiegland sicher.

In Richtung Politik wird Overwiening deutlich und fordert, die Nutzung der E-Rezepte sicher gegen Missbrauch zu gestalten. »Das elektronische Rezept muss den Patienten dienen und die Apotheken vor Ort stärken« betonte sie. Außerdem wirbt sie für den Gebrauch der DAV-Web-App, die neben der staatlichen Gematik-App auch wahrgenommen und genutzt werden sollte.

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