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Rote-Hand-Briefe

Erneute Warnung vor Nebenwirkungen der Vektorimpfstoffe

Nach Covid-19-Impfung mit den vektorbasierten Impfstoffen von Astra-Zeneca oder Janssen kann es in seltenen Fällen zu Thromboembolien und Thrombozytopenien kommen. Heute weisen zwei Rote-Hand-Briefe nochmals auf die potenzielle Gefahr hin – auch auf die Symptome, bei denen Geimpfte sofort zum Arzt sollten.
Daniela Hüttemann
13.10.2021  11:00 Uhr

In Astra-Zenecas Rote-Hand-Brief zu Vaxzevria® geht es dieses Mal um das Risiko eines Blutplättchenmangels (Thrombozytopenie) einschließlich Immunthrombozytopenie (ITP) mit oder ohne assoziierte Blutung. Demnach seien solche Fälle mit teilweise sehr niedrigen Thrombozytenwerten von unter 20.000 pro µl beobachtet worden, in der Regel innerhalb der ersten vier Wochen nach der Impfung. Einige Fälle seien bei Patienten aufgetreten, die bereits in der Vorgeschichte eine ITP gehabt hatten. Es gebe Berichte über Fälle mit tödlichem Ausgang, die Astra-Zeneca nicht genauer beziffert.

Neu ist die Empfehlung, bei genau diesen Personen mit thrombozytopenischer Erkrankung in der Anamnese das Risiko niedriger Thrombozytenzahlen vor der Impfung einzuschätzen und diesen Wert nach der Impfung zu überwachen. Eine Thrombozytopenie äußert sich unter anderem durch Bildung von Blutergüssen (Hämatome) bei normaler körperlicher Aktivität, Nasen- und Zahnfleischbluten, punktförmigen Einblutungen in der Haut (Petechien), wenn Schnittverletzungen nicht aufhören zu bluten oder bei Blut im Stuhl oder im Urin sowie Husten mit Blutbeimengung. Bei solchen Symptomen sollten Betroffene sofort zum Arzt.

Auch Janssen warnt vor sehr seltenen Immunthrombozytopenien mit teilweise sehr niedrigen Thrombozytenwerten nach Impfung mit der Covid-19 Vaccine Janssen, die ebenfalls in der Regel vier Wochen nach dieser auftraten. Auch hier hatten einige Betroffene bereits eine ITP in der Anamnese. Es wird ebenfalls empfohlen, das Risiko vor der Impfung abzuschätzen und nach der Impfung die Thrombozytenwerte zu überwachen. Hier werden Geimpfte darauf hingewiesen, vor allem auf spontane Blutungen und/oder Blutergüsse und Petechien außerhalb des Verabreichungsorts der Impfung zu achten.

Darüber hinaus seien in seltenen Fällen venöse Thromboembolien (VTE) nach der Janssen-Impfung beobachtet worden. Bei Personen mit einem erhöhten Risiko für Thromboembolien soll daher das VTE-Risiko berücksichtigt werden. Symptome einer VTE können Kurzatmigkeit, Schmerzen in der Brust, Beinschmerzen, Beinschwellung und anhaltende Bauchschmerzen sein. Auch hier ist sofort ein Arzt aufzusuchen.

Der Rote-Hand-Brief weist zudem noch einmal darauf hin, dass ein Thrombose-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) nach Covid-19-Impfung eine spezielle Behandlung erfordert. Wer innerhalb von drei Wochen eine Thrombose entwickelt, sollte auch auf Thrombozytopenie untersucht werden und umgekehrt.

Die Produktinformationen werden entsprechend geändert. Dies und die Rote-Hand-Briefe sind Reaktionen auf entsprechende Entscheidungen der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA). Für beide Vektorimpfstoffe bleibt die Arzneimittelbehörde bei der Einschätzung, dass der Nutzen die Risiken überwiegt.

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