| Johanna Hauser |
| 20.07.2026 08:00 Uhr |
Eine altersbedingte Makuladegeneration ging in einer Beobachtungsstudie mit einem erhöhten statistischen Risiko für zum Beispiel Schilddrüsenkrebs einher. / © Getty Images/BSIP
Die neovaskuläre oder auch feuchte AMD (nAMD) ist eine der Hauptursachen für Sehverlust bei älteren Menschen. An der Entstehung sind vaskuläre und entzündliche Signalwege beteiligt. Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass nAMD auch mit bösartigen Tumoren in Verbindung stehen könnte.
Ein Team um Hyeong Min Kim von der Konkuk-Universität in Seoul, Südkorea, untersuchte in einer retrospektiven Beobachtungsstudie, ob Menschen mit AMD häufiger bestimmte Krebserkrankungen entwickelten als vergleichbare Personen ohne Makuladegeneration. Dazu analysierte es Daten des koreanischen nationalen Krankenversicherungsdienstes und schloss 334.091 Personen in die Untersuchung ein. Davon hatten 83.742 Personen eine nAMD und 250.349 Probanden dienten als Kontrollpersonen. Die Nachbeobachtung erfolgte über zehn Jahre.
Die im Fachjournal »Aging« veröffentlichten Daten legen für Patienten mit nAMD ein moderates, aber signifikant erhöhtes Gesamtrisiko für Krebs nahe (bereinigte Hazard Ratio, aHR: 1,084). Allerdings waren nicht alle Krebsarten mit einem erhöhten Risiko verknüpft. Es zeigten sich selektiv erhöhte Risiken für:
Die mit einem um 24 Prozent erhöhten relativen Risiko stärkste Assoziation gab es zu Schilddrüsenkrebs. Die Ergebnisse sind zwar statistisch signifikant, die beobachteten Risikoerhöhungen liegen jedoch insgesamt in einer moderaten Größenordnung. Bei anderen bösartigen Tumoren wurden keine signifikanten Zusammenhänge beobachtet.
Die feuchte AMD ist durch eine krankhafte Gefäßneubildung gekennzeichnet, die stark vom Wachstumsfaktor VEGF abhängt. Auch viele Tumoren nutzen VEGF, um neue Blutgefäße zu bilden und zu wachsen. Die statistisch erhöhte Krebsrate könnte daher auf eine gemeinsame biologische Neigung zu angiogenen Prozessen hinweisen.
Dies biete zwar eine mögliche biologische Erklärung, heißt es in der Studie. Die Daten stützten jedoch auch die Annahme eines umfassenderen Zusammenhangs: Die Studienautoren gehen davon aus, dass gemeinsame Prozesse der Alterung, Entzündung und Gefäßfunktion sowohl bei AMD als auch bei verschiedenen Tumorerkrankungen eine wichtige Rolle spielen. Dies schließt chronische niedriggradige Entzündungen, oxidativen Stress, Zellalterung (Seneszenz) und Veränderungen der Gewebestruktur und des Immunsystems ein.
Die Autoren diskutieren außerdem überlappende genetische Anfälligkeiten. Genvarianten, die das Komplementsystem, den Fettstoffwechsel oder die Geweberegulation beeinflussen, könnten sowohl die Entstehung einer AMD als auch bestimmter Tumoren begünstigen. Letztlich bleibt jedoch unklar, warum der Zusammenhang nur bei bestimmten Krebsarten auftritt.