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Rheuma und Lungenerkrankung

Entwarnung für Methotrexat

Patienten mit rheumatoider Arthritis leiden häufig unter sogenannten interstitiellen Lungenerkrankungen. Das Basismedikament Methotrexat steht seit Längerem unter Verdacht, das Risiko für diese Folgeerkrankung zu erhöhen. Zwei aktuelle Studien widerlegen nun diese Annahme.
PZ
08.07.2020  14:00 Uhr

Interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) sind eine häufige und schwere Folge der rheumatoiden Arthritis (RA). Die Prävalenz variiert je nach Bevölkerung und Diagnosemethode, jedoch leiden mindestens 5 bis 10 Prozent aller RA-Patienten an dieser Erkrankung. Sie führt zu entzündlichen Veränderungen im Lungengewebe und in den Lungenbläschen. ILD geht mit Reizhusten und Luftnot einher und führt im schweren Verlauf zu einer Vernarbung des Lungengewebes. Dies kann eine lebenslange Sauerstoffversorgung oder sogar eine Lungentransplantation notwendig machen.

Zwei aktuelle Studien geben nun hinsichtlich Methotrexat (MTX) Entwarnung. Die Ergebnisse wurden kürzlich auf der Jahrestagung des europäischen Rheumatologen-Kongresses EULAR vorgestellt. »Das Risiko für eine interstitielle Lungenerkrankung bei RA-Patienten ist zwar insgesamt höher als in der Allgemeinbevölkerung. Basierend auf den vorliegenden Daten gibt es aber keinen evidenten Zusammenhang zur Behandlung mit Methotrexat«, fasst Seniorautorin Professor Dr. Lene Dreyer von der Aalborg Universität in Dänemark die Ergebnisse ihrer aktuellen Kohortenstudie zusammen (DOI: 10.1136/annrheumdis-2020-eular.1609).

Die Rheumatologin bezieht sich auf Patienten-Daten aus dem Dänischen Nationalen Patienten-Register sowie dem DANBIO-Register für rheumatische Erkrankungen. Zusammen mit dem Team um Erstautorin Dr. Else Helene Ibfelt vom Steno Diabetes Center Kopenhagen, Dänemark, untersuchte sie insgesamt 30.512 RA-Patienten, die zwischen 1997 und 2015 dort registriert waren, auf ILD und Atemprobleme unter Berücksichtigung der jeweiligen Medikation.

Zum gleichen Ergebnis kommt eine aktuelle Fallkontrollstudie aus Frankreich, die ebenfalls den Zusammenhang zwischen MTX-Gabe und Lungenerkrankungen untersuchte. »Bei insgesamt 1223 RA-Patienten konnten wir zeigen, dass MTX nicht nur keinen Einfluss auf die Entstehung einer interstitiellen Lungenerkrankung hat, sondern diese sogar noch verzögern könnte«, resümiert Erstautor Dr. Pierre-Antoine Juge vom Bichat-Claude Bernard Hospital in Paris. RA-Patienten mit immunsuppressiver Therapie waren um mehr als die Hälfte weniger von ILD betroffen als RA-Patienten, die keine MTX-Therapie erhielten.

Weitere Untersuchungen müssten folgen, um die Ergebnisse zu festigen, hieß es auf dem EULAR. Aufgrund des weiterhin bestehenden allgemeinen Risikos für ILD sollten RA-Patienten regelmäßig auf Lungenveränderungen untersucht und beizeiten therapiert werden – insbesondere während der Corona-Pandemie.

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