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Laborgipfel

Entlassmanagement für Rezepturen

Nicht nur Patienten, die aus dem Krankenhaus entlassen werden, brauchen ein Entlassmanagement, sondern auch Rezepturen. Gerade bei der Entlassung verordnete pädiatrische Rezepturen werfen in öffentlichen Apotheken oft Fragen und Probleme auf.
Brigitte M. Gensthaler
20.02.2019
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Was an der Schnittstelle verbessert werden kann, erläuterte Dr. Holger Reimann, Leiter NRF, Eschborn, beim heutigen komplett ausgebuchten Laborgipfel in München. Die Veranstaltung findet zum ersten Mal und in Kooperation von DAC/NRF, Caelo und WEPA statt.

In der Praxis herrsche oft eine gewisse Unsicherheit, denn Rezepturverschreibungen aus Krankenhäusern und Ambulanzen sind in der öffentlichen Apotheke oft nicht bekannt, konstatierte Reimann. Oft handelt es sich um Rezepturen für Säuglinge und Kinder, die nach der Entlassung aus der Klinik weiterhin sehr spezielle Rezepturarzneimittel zur systemischen Anwendung bekommen sollen. »Die Rezepturkompetenz der öffentlichen Apotheke liegt bei Dermatika, weniger bei Arzneiformen zum Einnehmen.«

Probleme bereiten nicht nur unvollständig ausgefüllte Rezepte, Krankenhaus-interne Abkürzungen oder Verordnungen ohne Zusammensetzung, sondern zum Beispiel auch Unklarheiten zur mikrobiologischen Stabilität und Qualität. Fragen werfen mitunter auch spezielle Applikationshilfen auf, die in der Klinik verwendet werden, aber in der öffentlichen Apotheke kaum vorkommen. In der Rezeptur in Klinikapotheken würden oft auch Konzentrate oder Halbfertigprodukte verwendet; eventuell gebe es vergleichbare Fertigprodukte auf dem Markt.

»In der Praxis müssen Patienten oft mehrere Apotheken aufsuchen, bis sie eine finden, die eine pädiatrische Rezeptur anfertigt«, monierte Reimann. Hilfreich sei es, wenn die Krankenhausapotheke aktiv mit öffentlichen Apotheken kooperiere. Denn die Verantwortung des Krankenhauses ende nicht bei der Entlassung des Patienten.

Als Beispiel nannte Reimann die Initiative der Apotheke im Uniklinikum Heidelberg, die Informationen zur Eigenherstellung für öffentliche Apotheken im Internet veröffentlicht (DocCheck-Passwort erforderlich) und bei weiteren Fragen kontaktiert werden kann. Ähnliche Informationen im Internet gibt beispielsweise die Apotheke der Uniklinik Erlangen.

Reimann informierte auch über die Zusammenarbeit zwischen DAC/NRF und der ADKA – Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker, die sich über Herstellung und Analytik austauschen und eine bessere Daten- und Recherchebasis für öffentliche und Krankenhaus-Apotheken schaffen wollen. Unter anderem soll der DAC/NRF-Rezepturenfinder auch durch autorisierte Klinikapotheker weiter ausgebaut werden. Die Daten- und Recherchemöglichkeiten zu Rezepturen an der stationär-ambulanten Schnittstelle wurden bereits deutlich erweitert, konstatierte der NRF-Leiter. Dennoch müsse das »Entlassmanagement Rezeptur« strukturell weiter verbessert werden.

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