| Jennifer Evans |
| 30.07.2026 10:00 Uhr |
Fokus, Struktur, mentale Stärke: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können von Erkenntnissen aus dem Hochleistungssport lernen. / © PZ/generiert mit KI
Ihre Kolleginnen und Kollegen merken sofort, wenn sie morgens nicht gelaufen ist, erzählt Dr. Megan Cooke, Ingenieurin für Biomaterialien an der University of Colorado in Boulder. »Die Endorphine nach dem Training sorgen dafür, dass ich im Labor konzentriert und effizient arbeite – und dass der Umgang mit mir mehr Spaß macht«, schreibt sie in einem Artikel der Fachzeitschrift »Nature«. Für Cooke liefert der Hochleistungssport Prinzipien, die sich auf den Forschungsalltag übertragen lassen.
Im Labor arbeitet Cooke mit Biomaterialien, züchtet Zellen und analysiert deren Eigenschaften. Gleichzeitig leitet sie ein Team von zwanzig Forschenden. »In der Wissenschaft ist Resilienz eine dringend benötigte, aber oft übersehene Eigenschaft«, betont sie. Scheitern Experimente, Förderanträge oder fallen Gutachten kritisch aus, greift sie auf die 24-Stunden-Regel aus dem Sport zurück: Ein Tag Wut, Ärger oder Enttäuschung sind erlaubt, danach wird der Fokus wieder nach vorne gerichtet.
Im Sport gibt es A-, B- und C-Ziele. Auch Forschende sollten laut Cooke Sekundärziele nicht unterschätzen. Ein akzeptiertes Manuskript ist ein Erfolg – doch oft entstehen die wichtigsten Einsichten erst beim Erlernen neuer Methoden oder beim präzisen Verständnis eines Systems.
Aus dem Training weiß sie: Aus später wird oft nie. Wer sein Training verschiebt, lässt es meist ganz ausfallen. Im Labor passiert Ähnliches. Kleine Aufgaben wirken größer, wenn sie liegen bleiben. Deshalb schafft Cooke sich feste Zeitfenster für organisatorische Aufgaben. Ein oder zwei Stunden reichen häufig, um mehrere Punkte abzuhaken. Sport zeigt ihr, wie eng Selbstorganisation und wissenschaftliche Produktivität zusammenhängen.
Ausdauersport basiert zwar auf individueller Leistung, doch ohne Team geht es nicht. Trainer, medizinische Betreuung und Trainingspartner stützen Athletinnen und Athleten. In der Forschung sei ein ähnliches Netzwerk nötig – Kolleginnen, Mentoren und Kooperationspartner könnten sich gegenseitig entlasten, wenn Arbeitsmenge und Druck steigen. Mehr sei nicht automatisch besser, schreibt sie.