| Jennifer Evans |
| 06.07.2026 10:30 Uhr |
Junge Sportler und Wissenschaftler träumen oft von etwas Großem und starten ihre Laufbahn mit Talent und Leidenschaft. / © Adobe Stock/Tom Merton/Caia Image
Unsichere Verträge, internationale Mobilität, der Druck, schnelle Erfolge, gute Leistungen und Bekanntheit zu erzielen: Fußballprofis und Forschende starten auf der Karriereleiter oft mit denselben Grundvoraussetzungen – Leidenschaft und Talent, beschreibt Sarah Blackford, akademische Karriereberaterin, ehrenamtliche Dozentin und Arsenal-Fan, in einer Kolumne des Fachjournals »Nature«.
Während die einen Bällen hinterherjagen, rennen die anderen neuen Erkenntnissen nach. Beide investieren dafür Zeit, Energie und viele Abende, an denen der Freundeskreis längst im Café sitzt. Die Träume der beiden Welten ähneln sich: einen Moment zu erleben, der alles verändert – sei es ein Siegestreffer oder eine bahnbrechende Entdeckung.
Doch Talent allein reiche für den dauerhaften Erfolg nicht aus, so Blackford. Beide Karrieren erforderten Belastbarkeit, Anpassungsfähigkeit und Bewegung. Spielerinnen und Spieler müssen Vereine wechseln, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Forschungsgruppen. Leistung bleibt ihre Währung – bei den einen die Torbilanz, bei den anderen ein hoher H-Index.
Man packt also Kisten, lässt Freunde, Kollegen oder gar Kulturkreise zurück und taucht in neue Teams ein. Manchmal kommt das Lernen einer neuen Sprache hinzu. Und oft hat man einen Vertrag in der Hand, der nur wenige Jahre hält – bevor alles wieder von Neuem beginnt.
Nur für Aufsteiger wird es etwas sicherer – allerdings ändern sich mit der Verantwortung auch die Aufgaben: Trainer führen Teams, Professoren leiten Gruppen. Beide jonglieren mit Budgets, Personal und Erwartungen. Während Tore und Tabellenplatzierungen über die Laufbahn der einen entscheiden, sind es Publikationen, Fördermittel und Bekanntheit bei den anderen. Ähnlich wie Fußballer davon träumten, ihr Land zu vertreten, treibe Wissenschaftler an, Teil von etwas zu sein, das größer ist als sie selbst, schreibt Blackford.
Dennoch: Forscher haben laut Blackford Vorteile gegenüber Fußballern, wenn es um langfristige Karriereaussichten geht. Während professionelle Sportkarrieren oft durch Alter oder Verletzungen enden, kann sich eine Forschungslaufbahn weiterentwickeln und Chancen auch außerhalb der Wissenschaft eröffnen.