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HPV-Impfung zum Schutz vor Krebs

Eltern müssen mehr Entschlossenheit zeigen

Humane Papillomviren als Auslöser von Gebärmutterhalskrebs, Hals-Rachen-Tumoren und Anal-, Vulva-, Vagina- oder Peniskarzinomen sind bei Männern und Frauen weit verbreitet. Diese können sich gegenseitig infizieren. Die Wahrscheinlichkeit einer HPV-Infektion beginnt und steigt mit den ersten sexuellen Kontakten. Wichtigste prophylaktische Maßnahme ist die HPV-Schutzimpfung in jungen Lebensjahren. Hinsichtlich der Impfquoten besteht jedoch Aufholbedarf.
Christiane Berg
04.03.2022  10:30 Uhr
Eltern müssen mehr Entschlossenheit zeigen

»Die HPV-Impfung muss als Partnerschaftsimpfung verstanden werden, die also die Geimpften selbst, aber auch ihre Partnerinnen und Partner schützt«, macht der Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) in einem aktuellen Statement anlässlich des morgigen Welt-HPV-Tags deutlich. Mit Blick auf die verstärkte Notwendigkeit der breiten Umsetzung der HPV-Impfung spricht der Verband von einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe.

»Der Schutz vor HPV-bedingtem Krebs setzt jedoch die Entschlossenheit der Eltern voraus, ihre Kinder, egal ob Töchter oder Söhne, rechtzeitig gegen HPV impfen zu lassen«, betont die stellvertretende BVF-Vorsitzende Dr. Cornelia Hösemann. Die höchste Effektivität entfalte die HPV-Impfung, wenn der Körper noch nicht mit HP-Viren in Kontakt gekommen ist.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung daher für alle Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren. Spätestens bis zum 18. Geburtstag sollten versäumte HPV-Impfungen nachgeholt werden. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Dennoch haben studiengemäß selbst nach inzwischen mehrjähriger intensiver Aufklärungsarbeit nur 47 Prozent der 15-jährigen Mädchen einen vollständigen Impfschutz. Bei den gleichaltrigen Jungen sind es sogar nur circa fünf Prozent. Im internationalen Vergleich belegt Deutschland damit einen der hinteren Plätze und ist meilenweit von den Eliminationszielen der WHO und der EU entfernt.

Auch Hösemann macht deutlich, dass die aktuellen Impfquoten in Deutschland viel zu niedrig sind. Mit Blick auf die große Impflücke bestehe dringend Handlungsbedarf. »Würden künftig Durchimpfungsraten von 90 Prozent aller Mädchen und Jungen erreicht, gäbe es in etwa 30 Jahren praktisch keine HPV-assoziierten Erkrankungen mehr«, unterstreicht die Frauenärztin.

Impflücke auch weltweit noch immer skandalös hoch

85 bis 90 Prozent aller Menschen machen mindestens einmal im Leben eine HPV-Infektion durch. Häufig klingt diese innerhalb von ein bis zwei Jahren ohne gesundheitliche Probleme wieder ab. Jedes Jahr erkranken in Deutschland jedoch rund 7.850 Menschen an einem HPV-bedingten Tumorleiden. Allein die durch HPV hervorgerufenen Krebsvorstufen machen bei Frauen jährlich etwa 56.000 Operationen am Gebärmutterhals erforderlich.

»Die chirurgischen Eingriffe, sogenannte Konisationen, bei denen bösartige Zellveränderungen durch ein kegelförmiges Ausschneiden des Gebärmutterhalses mittels Laser, Skalpell oder elektrischer Schlinge entfernt werden, gehen für diese oft jungen Frauen mit erheblichen psychischen Belastungen, nicht nur durch die bedrohliche Erkrankung selbst, einher. Ein Großteil der Operationen erfolgt im gebärfähigen Alter, das zumeist von der Familienplanung mit Kinderwunsch geprägt ist«, so der Präsident des BVF, Dr. Klaus Doubek.

Die Eingriffe, so Doubek, können das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen und hier insbesondere Frühgeburten erhöhen. Zudem haben Patientinnen nach einer Konisation am Gebärmutterhals ein erhöhtes Risiko auch für Reinfektionen, wenn der Partner weiterhin Träger einer HPV-Infektion ist, warnt der niedergelassene Gynäkologe.

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