| Jennifer Evans |
| 24.08.2026 09:00 Uhr |
Allein, aber nicht einsam: Ungesellige Kinder können trotzdem sozial kompetent sein. Viele wählen den Rückzug bewusst. / © Adobe Stock/Lara Nachtigall
Ein Kind, das in der Pause allein spielt oder isst, muss nicht zwangsläufig einsam sein. Im Gegenteil: Manche Grundschulkinder bevorzugen bewusst den Rückzug, solange sie sich sozial eingebettet fühlen. Das zeigt eine Untersuchung der US-Universität Georgia.
Entscheidend ist für sie allein das Wissen, Teil der Klassengemeinschaft zu sein, sprich: die Gewissheit zu haben, Gleichaltrige würden sie trotzdem zum Spielen einladen. Dieses Zugehörigkeitsgefühl gebe ihnen Sicherheit – und wirke offenbar wie ein psychologischer Schutzfaktor gegen Einsamkeit, heißt es in einer Mitteilung der Universität.
Gleichzeitig zeigt die Studie um die Schulpsychologin und Doktorandin Rachael A. Pfanz, dass Kinder, denen das Dazugehören nicht wichtig war, häufiger unzufrieden mit ihren sozialen Beziehungen waren. Sie lehnten Einladungen eher ab, zogen sich zurück und bekamen als Folge weniger Spieleinladungen. Im Anschluss begannen sie, sich ausgeschlossen oder einsam zu fühlen. Die Forschenden sprechen von einer »sich selbst erfüllenden Prophezeiung«: Wer als ungesellig gilt, wird seltener angesprochen und fühlt sich zunehmend ausgeschlossen.
Für erstaunlich hielt das Autorenteam allerdings, dass die sozialen Einzelgänger trotz ihrer Schwierigkeiten mit Gruppendynamiken oft stabile Einzelfreundschaften pflegten. Eltern und Lehrer sollten soziale Kompetenz also nicht allein am Gruppenverhalten messen.
Die im Fachblatt »Elementary School Journal« veröffentlichte Studie kam ebenfalls zu dem Schluss: Wer gerne allein spielt, aber grundsätzlich Wert auf Zugehörigkeit legt, nimmt auch ab und an mal eine Einladung an. Diese zurückgezogenen Kinder lehnen sie nur dann ab, wenn ihnen nicht danach ist, und vertrauen dabei auf eine neue Gelegenheit.
Pädagogen und Eltern sollten die sozialen Einzelgänger nicht überfordern, heißt es in der Mitteilung. Kleine, überschaubare Gruppen seien für sie geeigneter als ein großes Fußballspiel. Entscheidend sei, ihnen zu vermitteln, dass sie Teil einer Gemeinschaft sind – ohne sie dabei zu sozialen Interaktionen zu zwingen.
Für die Untersuchung analysierten Forschende Antworten von mehr als 450 Viert- und Fünftklässlern aus verschiedenen Grundschulen im US-Bundesstaat Georgia.