| Jennifer Evans |
| 16.04.2026 07:00 Uhr |
Herd statt Fertiggericht: Auch das Gehirn hat etwas davon, wenn man sein Essen selbst zubereitet. Insbesondere ältere Menschen profitieren. / © Shutterstock/buritora
Immer mehr Menschen essen außer Haus, holen sich etwas am Imbiss oder greifen zu Tiefkühlkost. Dabei könnten ältere Menschen ihr Demenzrisiko um rund 30 Prozent senken, wenn sie mindestens einmal pro Woche ihr Essen selbst zubereiteten. Das zeigt eine Untersuchung unter knapp 11.000 Japanerinnen und Japanern ab 65 Jahren, veröffentlicht im »Journal of Epidemiology & Community Health«. Bei älteren Menschen ohne Kocherfahrung sinkt das Risiko sogar um rund 70 Prozent. Grundlage der Analyse sind Daten der Langzeitstudie »Japan Gerontological Evaluation Study«.
Um die Kocherfahrung zu erfassen, prüften die Forschenden sieben Fähigkeiten. Dazu gehörte Obst und Gemüse schälen, Eier kochen, Fisch grillen, Fleisch braten sowie Eintöpfe zubereiten. Das Ergebnis: Wer häufiger kocht, senkt sein Demenzrisiko – das gilt für Männer und für Frauen. Wie groß der Effekt war, hing mit der kulinarischen Kompetenz zusammen.
Mindestens einmal pro Woche selbst zu kochen, senkt das Risiko bei Männern um 23 Prozent und bei Frauen um 27 Prozent – im Vergleich zu Menschen, die seltener kochen. Bei Personen mit geringer Übung am Herd sinkt das Risiko sogar um 67 Prozent. Dieser Zusammenhang zeigte sich unabhängig von Lebensstil, Einkommen oder Bildung. Auch spielte es keine Rolle, ob die Personen bereits geistig anregende Hobbies wie Basteln, ehrenamtliches Engagement oder Gartenarbeit ausübten.
Die Forschenden betonen jedoch, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt und keine eindeutigen Schlussfolgerungen möglich sind. Dennoch sehen sie in den Ergebnissen eine Bedeutung für die Demenz-Prävention.
Auch eine US-Studie im »Journal of Aggression, Maltreatment & Trauma« rückt den Wert gemeinsamer Mahlzeiten in den Fokus – aber aus einem anderen Grund. Regelmäßige Familienessen können den Konsum von Alkohol, E-Zigaretten und Cannabis bei Jugendlichen verringern, wie die Befragung von rund 2000 Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren sowie deren Eltern ergab.
Eine hohe Qualität der gemeinsamen Mahlzeiten geht mit einer um 22 bis 34 Prozent geringeren Häufigkeit von Substanzkonsum einher – allerdings nur bei Jugendlichen ohne oder mit geringen belastenden Kindheitserfahrungen. »Es geht nicht um das Essen, den Zeitpunkt oder den Rahmen; entscheidend sind die Eltern-Kind-Beziehung und die Interaktionen«, die unterstützend wirkten, betonte Hauptautorin Dr. Margie Skeer in einer Mitteilung der Tufts University.
Jugendliche mit schwereren negativen Erfahrungen wie eine Scheidung der Eltern, psychische Erkrankungen in der Familie oder erlebter Gewalt profitierten dagegen weniger, berichtet sie. Dennoch verweist Skeer auf die stützende Wirkung familiärer Routinen.