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Arzneimittel und Hitze
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Eine potenziell gefährliche Kombi

Hitze ist eine gesundheitliche Belastung, die insbesondere vulnerable Patientengruppen betrifft. Bei einigen Wirkstoffklassen und Darreichungsformen ist bei hohen Temperaturen außerdem ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen oder eine veränderte Freisetzung zu beachten. Projekte wie die Calor-Liste liefern praxisrelevante Hinweise.
AutorKontaktBeate Sigrid Müller
AutorKontaktPascal Nohl-Deryk
Datum 20.07.2025  08:00 Uhr

Beratung zu Hitze in der Apotheke

In die Apotheke kommen viele Patienten, die zu den Risikogruppen für hitzebedingte Gesundheitsstörungen gehören. Das Apothekenteam kann sie und alle weiteren Personen vor und während Hitzewellen zu verhaltensbezogenen Schutzmaßnahmen beraten. Dazu zählt: direkte Sonnenexposition vermeiden, luftige und helle Kleidung tragen und sich möglichst im Schatten oder in klimatisierten Räumen aufhalten.

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig, am besten nicht nur Leitungswasser und Tee, sondern auch elektrolytreicheres Mineralwasser, isotonische Getränke oder andere Getränke mit einem optimalen Natriumgehalt von 0,5 bis 1 g Natrium pro Liter.

Bei Patienten, die Antidiabetika oder Antihypertensiva einnehmen, kann ein intensiviertes (Selbst-)Monitoring, zum Beispiel von Blutdruck oder Blutzucker, hilfreich sein, da hohe Temperaturen beide Parameter beeinflussen.

Grundsätzlich sollten Patienten Medikamente so lagern, dass sie keiner Hitze und keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Immer wieder jedoch werden Wochenboxen mit der entblisterten Medikation auf die Fensterbank gelegt und können so über die Tage deutlich an Wirkung verlieren. Hier empfiehlt sich eine gezielte Nachfrage, insbesondere bei älteren Menschen.

Idealerweise werden Arzneimittel zwischen 15 und 25 °C im kühlsten verfügbaren Raum gelagert. Das Badezimmer ist jedoch aufgrund der erhöhten Luftfeuchtigkeit kein optimaler Lagerungsort zu Hause. Insgesamt sind Filmtabletten als Darreichungsform relativ stabil – häufig auch zumindest kurzfristig über 30 °C –, wohingegen halbfeste Arzneiformen wie Zäpfchen, Salben und Cremes bei Hitzeeinwirkung ihre Konsistenz oder Form und ihre Wirkung verändern können. Sie sollten immer unter 25 °C gelagert werden. Dies gilt auch für flüssige Arzneimittel, um beispielsweise Phasentrennungen zu vermeiden.

Bei der Auslieferung oder Abgabe von kühlpflichtigen Arzneimitteln, beispielsweise bei einigen Augentropfen oder Impfstoffen, sollte der Transportweg möglichst kurz sein und gegebenenfalls in einer Kühlbox erfolgen.

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