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Gesünder als gedacht
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Eine Neupositionierung von Kaffee und Koffein

Kaffee und Tee gehören zu den beliebtesten Getränken weltweit. Sie enthalten erhebliche Mengen an Koffein, sodass Koffein zu den meistkonsumierten psychoaktiven Wirkstoffen zählt. Aus diesem Grund, aber auch, weil Kaffee und Koffein im Verdacht stehen, das Risiko für Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern zu können, wird immer wieder vor einem zu hohen Konsum gewarnt. In jüngster Zeit scheint sich dieses Image jedoch zu wandeln.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 06.08.2020  13:56 Uhr

Krebs

Die Ergebnisse vieler prospektiver Kohortenstudien deuten klar darauf hin, dass der Konsum von Kaffee und Koffein nicht mit einer erhöhten Krebsinzidenz oder einer erhöhten Krebstodesrate assoziiert ist. Kaffeekonsum scheint im Gegenteil mit einem leicht verringerten Risiko für Melanom, andere Formen von Hautkrebs, Brustkrebs und Prostatakrebs einherzugehen. Auch scheint das Risiko für Endometrium- und Leberzellkarzinom durch Kaffeekonsum verringert zu werden. Beim Endometriumkrebs beobachtet man den Effekt unabhängig vom Koffeingehalt. Beim Leberzellkarzinom hingegen ist der Effekt an Koffein im Kaffee gebunden.

Leber und Galle

Kaffee scheint zudem konsistent Leberwerte positiv zu beeinflussen. Koffein kann weiterhin durch den Adenosinrezeptorantagonismus eine Leberfibrose verhindern, da Adenosin den Gewebeumbau durch Kollagenproduktion und Fibrinogenese fördert.

In einer randomisierten Studie konnte gezeigt werden, dass der Konsum von koffeinhaltigem Kaffee den Leberkollagenspiegel bei Patienten mit Hepatitis C senkt. Mitverantwortlich für diese Effekte scheinen Kaffeepolyphenole zu sein, die einen Schutz vor Lebersteatose und Fibrinogenese bieten, indem sie die Fetthomöostase verbessern und den oxidativen Stress reduzieren.

Auch wurde Kaffeekonsum mit einem verringerten Risiko für Gallensteine und für Gallenblasenkrebs im Zusammenhang gebracht, wobei eine stärkere Assoziation für koffeinhaltigen Kaffee als für koffeinfreien Kaffee beobachtet wurde, was darauf hindeutet, dass Koffein möglicherweise eine schützende Rolle spielt. Der Kaffeekonsum kann die Bildung von Cholesterol-Gallensteinen verhindern, indem er die Absorption von Gallenblasenflüssigkeit hemmt, die Cholecystokinin-Sekretion erhöht und die Gallenblasenkontraktion stimuliert.

Neurologische Erkrankungen

Prospektive Kohortenstudien haben eine starke inverse Assoziation zwischen Koffeinkonsum und dem Risiko für die Parkinson-Krankheit gezeigt. Dagegen ist der Konsum von entkoffeiniertem Kaffee nicht mit der Parkinson-Krankheit assoziiert, was darauf hindeutet, dass Koffein und nicht andere Kaffeebestandteile für die inverse Assoziation verantwortlich sind.

Kaffee- und Koffeinkonsum wurde in mehreren Kohortenstudien auch mit einem verringerten Risiko für Depression und Selbstmord in Verbindung gebracht, obwohl diese Ergebnisse bei Personen mit einem sehr hohen Kaffeekonsum (≥8 Tassen pro Tag) möglicherweise nicht zutreffen. Hinweise auf eine Assoziation von Kaffeekonsum mit dem Risiko für die Entwicklung einer Demenz oder der Alzheimererkrankung gibt es momentan nicht.

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