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Impfen in der Apotheke

»Eine Gemeinschaftsaufgabe«

Die ersten Modellprojekte zur Impfung in der Apotheke sind gestartet, aber es gibt noch Vorbehalte, insbesondere vonseiten der Ärzte. Was können wir in Deutschland diesbezüglich von anderen Ländern lernen?
Carolin Lang
09.10.2020  10:03 Uhr

»Vor ein bis zwei Jahren hätte sich noch niemand vorstellen können, dass in Apotheken Grippeschutzimpfungen durchgeführt werden dürfen«, sagte Dr. Christiane Eckert-Lill, Geschäftsführerin Pharmazie der ABDABundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, gestern im Rahmen einer Diskussionsrunde der Expopharm-Impuls. Doch nun fand Anfang der Woche in Nordrhein die erste Grippeschutzimpfung in einer Apotheke in Deutschland statt, das Saarland zog einen Tag später nach. Ermöglicht wurden diese Modellprojekte durch das im März 2020 in Kraft getretene Masernschutzgesetz.

Der Gesetzgeber verspricht sich von diesen Modellprojekten eine Verbesserung der Impfquote, indem Erwachsenen ein weiterer optionaler niedrigschwelliger Zugang zu Impfungen ermöglicht wird. Am Beispiel anderer Länder wird ersichtlich, dass das Prinzip funktionieren kann – so zum Beispiel in Irland, wo Apotheker bereits seit 2011 impfen dürfen. Seitdem hat dort die Zahl der Grippeimpfungen pro Saison bis 2018/2019 deutlich zugenommen. Neben den zusätzlichen Impfungen durch Apotheker hat hier außerdem die Zahl der Impfungen durch Ärzte zugenommen. »Das Beispiel Irland zeigt deutlich, dass die Grippeschutzimpfungen in Apotheken keine Konkurrenz zu den Impfungen in der Arztpraxis sind, sondern ein ergänzendes Angebot«, sagte Eckert-Lill.

In der Schweiz hingegen darf bereits seit 2015 in Apotheken geimpft werden, wobei der Umfang dabei kantonal unterschiedlich ausfällt; so impfen Apotheken dort teilweise auch gegen Masern oder FSME. Die Apothekerin Dr. Raffaela Pitzurra und Dr. Marc Otto von der Pharma Nation Network AG (PNN), die unter anderem Kurse für Impfapotheken anbietet, berichteten von den bisherigen Erfahrungen.

Die Sicherheit ist gewährleistet

In puncto Sicherheit fällt der Bericht der Schweizer sehr positiv aus. Im Jahr 2019 wurden dort 35.205 Personen in Apotheken gegen Influenza geimpft. In 99,5 Prozent der Fälle lief die Impfung problemlos ab. Bei 0,5 Prozent kam es zu unerwünschten Reaktionen, die sich zu 80 Prozent in Form lokaler Reaktionen wie Schwellungen und Rötungen äußerten und in 17 Prozent der Fälle in systemischen Reaktionen. Zu einem Notfallkontakt kam es nicht.

Auch Hans Flittner als Medical Advisor der Impfakademie von Glaxo-Smith-Kline, nahm an der Diskussionsrunde teil. Er schätzt die Influenza-Impfung als sehr sicher ein. »Aus meiner Erfahrung ist die Influenza-Impfung eine der am besten verträglichen Impfungen«, sagte er. Auch in den USA mache man diesbezüglich sehr gute Erfahrungen, fügte er hinzu.

PZ-Chefredakteur Professor Dr. Theo Dingermann, der die Diskussionsrunde leitete, erläuterte, was hinter der guten Verträglichkeit der Influenza-Impfung steckt. »Es geht darum, jedes Jahr eine gute Durchimpfungsrate zu erreichen. Man könnte die Impfung durch den Zusatz bestimmter Substanzen wesentlich effektiver machen, aber dann wäre sie auch ein Stück weit weniger gut verträglich. Da die Impfung aber jährlich erfolgt, verzichtet man auf eben diese Substanzen.«

Ein weiterer Sicherheitsaspekt ist, dass die Teilnahme an einem Modellvorhaben hierzulande unter anderem eine Schulung der impfenden Apotheker erfordert. Die Bundesapothekerkammer (BAK) hat hierzu ein Curriculum entwickelt, das aus drei Stunden Theorie und sechs Stunden Praxis besteht. Für die Dauer des Modellvorhabens über drei Jahre ist kein Wiederholungskurs vorgesehen. Die Apotheke muss außerdem bestimmte Anforderungen an die Ausstattung erfüllen. Auch dazu hat die BAK eine Leitlinie erstellt.

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