| Alexandra Amanatidou |
| 12.06.2026 07:00 Uhr |
Die neue Apothekeninhaberin Julia Dippner-Kocyba (links) zusammen mit der ehemaligen Inhaberin Claudia von Lehmann. / © Adler-Apotheke
Apothekerin Julia Dippner-Kocyba suchte fünf Jahre lang nach einer eigenen Apotheke. Fündig wurde sie schließlich in Zehlendorf. Für die Adler-Apotheke, die seit vier Generationen in Familienhand war, gab es keine Nachfolge. »Es war ein großer Schritt für die Familie, die Apotheke abzugeben«, erzählt Dippner-Kocyba.
Die ehemalige und die neue Inhaberin haben sich nach dem Kauf auf eine sechsmonatige Einarbeitung verständigt. Daraus ist mehr entstanden als nur ein professioneller Austausch. Denn heute gehöre Claudia von Lehmann zu ihren Vertrauenspersonen. Auch der Vater der ehemaligen Inhaberin besucht die Apotheke häufig. »Mit dem verstehe ich mich auch sehr gut«, sagt die Berlinerin.
Ende des Jahres verließ Dippner-Kocyba die Apotheke als Mitarbeiterin – und kehrte Anfang des neuen Jahres als Chefin zurück. »Das war unglaublich. Das war ein lang gehegter Traum von mir«, sagt die Apothekerin.
Die Übergabe fand am 1. Januar 2026 statt – ausgerechnet an dem Tag, an dem ein Stromausfall Teile des Südwestens Berlins lahmlegte, darunter auch sieben Apotheken. Die Adler-Apotheke blieb verschont. »Sie war nur 100 Meter vom Stromausfall entfernt. Ich hatte wirklich Glück«, erinnert sich Dippner-Kocyba.
Am ersten Tag machte sich die Apothekerin auch Sorgen um die Technik beziehungsweise darum, ob alles mit den EC-Geräten funktionieren würde. Wäre es zu technischen Problemen gekommen, hätte im schlimmsten Fall die Apotheke an ihrem ersten Öffnungstag keinen Umsatz gemacht. »Ich weiß noch genau, wie erleichtert ich war, dass es mit den E-Rezepten geklappt hat und wir sie einlösen konnten.«
Doch auch vor der Übernahme gab es laut der Apothekerin einige Themen, die viel Zeit und Aufmerksamkeit erforderten. Dazu gehörten die Gespräche zur Bankfinanzierung sowie die Prüfung des Mietvertrags. »Beide Bereiche haben einen erheblichen Einfluss auf die langfristige wirtschaftliche Entwicklung der Apotheke und sollten daher sorgfältig vorbereitet werden«, warnt Dippner-Kocyba.
Auch bestehende Verträge gerieten in den Fokus, beispielsweise bei technischen Systemen, EC-Cash-Geräten, Druckern oder dem Botenfahrzeug. »Ich musste entscheiden, welche Vereinbarungen ich übernehme und wo Veränderungen sinnvoll sind.«
Wenn die Apothekerin ihren Kolleginnen und Kollegen, die eine Apotheke übernehmen möchten, einen Rat geben müsste, wäre es der, frühzeitig ein belastbares Netzwerk aufzubauen. »Viele Herausforderungen lassen sich deutlich leichter bewältigen, wenn man auf die Erfahrungen anderer zurückgreifen kann.« Wertvolle Kontakte konnte Dippner-Kocyba etwa durch Fortbildungen und Branchenveranstaltungen knüpfen. »Heute kann ich bei den unterschiedlichsten Fragestellungen auf dieses Netzwerk zurückgreifen und bekomme oft schnell praxisnahe Unterstützung.« Auch die Mitgliedschaft in einer Apothekenkooperation hält sie für hilfreich, da sie dort unter anderem von fachlichem und organisatorischem Support profitiere.
Ein weiterer Punkt sei es, sich frühzeitig mit betriebswirtschaftlichen Themen auseinanderzusetzen. »Mir persönlich haben Wirtschaftspodcasts geholfen, unternehmerische Zusammenhänge besser zu verstehen und Entscheidungen fundierter zu treffen«, sagt die Apothekerin gegenüber der PZ und fügt hinzu: »Denn eine Apothekenübernahme ist nicht nur eine pharmazeutische, sondern auch eine unternehmerische Aufgabe.«
Dippner-Kocyba richtet nun den Blick nach vorn. Die Apothekerin möchte die Adler-Apotheke Schritt für Schritt weiterentwickeln und das bestehende Angebot ausbauen. Beispielsweise möchte sie künftig die Beratung zu Inhalativa und die Durchführung von Blutdruckmessungen als pharmazeutische Dienstleistung (pDL) anbieten.
Ab Herbst will sie außerdem mit Impfungen beginnen. »Das Team hat wirklich Lust darauf, und es ist natürlich auch toll, dass wir die Apotheke weiterentwickeln können.«