| Johanna Hauser |
| 19.03.2026 07:00 Uhr |
Eine echte Grippe geht mit plötzlich auftretendem Fieber, Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Husten, Hals- und Kopfschmerzen einher. Doch damit nicht genug: Sie erhöht auch das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen. / © Adobe Stock/Halfpoint
Hierzu zählt ein Anstieg des kardiovaskulären Risikos, der in Studien belegt ist. So war etwa in der 2019 im Fachjournal »JAMA Cardiology« publizierten ARIC-Studie eine Zunahme der Influenza-Aktivität um 5 Prozent pro Monat mit einem Anstieg der Hospitalisierungsraten aufgrund von Herzinsuffizienz um 24 Prozent verbunden (DOI: 10.1001/jamacardio.2019.0549).
Die pathophysiologischen Vorgänge dahinter sind noch nicht abschließend geklärt. Sowohl direkte Endothelschäden im Rahmen der Infektion als auch eine vermehrte Freisetzung proinflammatorischer Zytokine werden als mögliche Auslöser diskutiert.
Insbesondere für Menschen über 60 Jahren, aber auch für Jüngere mit Begleiterkrankungen birgt eine Influenza-Infektion daher ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe, Komplikationen und Todesfälle. So ist laut einer 2025 im »Journal of the American Heart Association« erschienenen Übersichtsarbeit in den vier Wochen nach einer Infektion das Risiko für einen Schlaganfall fünffach und das für einen Herzinfarkt vierfach erhöht. Eine Grippeimpfung senkt demnach das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse um circa 34 Prozent.
Zahlen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) zeigen, dass eine Influenza auch für Kinder ernsthafte Folgen haben kann. So mussten im Winter 2024/2025 in Deutschland 30.000 Kinder wegen einer Influenza hospitalisiert werden. Von den Kindern, die deswegen auf der Intensivstation behandelt werden mussten, starben 10 Prozent an der Erkrankung. Alle Kinder waren ungeimpft, ungefähr zwei Drittel hatten Risikofaktoren.
Weitere Studien wie DANFLU-2 und IAMI belegen den schützenden Effekt einer Influenza-Impfung. In der DANFLU-2-Studie wurde der Effekt einer Grippeimpfung (Normaldosis versus Hochdosis) auf kardiovaskuläre Outcomes bei Menschen ab 65 Jahren untersucht, in der IAMI-Studie die Auswirkungen der Impfung bei Patienten nach einem Herzinfarkt. Die Zahl der Hospitalisierungen beziehungsweise schwerer kardialer Ereignisse sank in beiden Studien signifikant (DOI: 10.1001/jamacardio.2025.3460, 10.1161/CIRCULATIONAHA.121.057042).
Da auch andere Infektionskrankheiten das kardiovaskuläre Risiko erhöhen, veröffentlichte die European Society of Cardiology (ESC) 2025 ein klinisches Konsensusstatement, wonach Impfungen Teil der kardiovaskulären Prävention seien. Laut ESC sei es erwiesen, dass die Wahrscheinlichkeit, während oder nach einer akuten Virusinfektion zu versterben, bei vorbestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen und höherem Alter deutlich erhöht ist. Mit der Influenza-Impfung habe man ein Werkzeug an der Hand, um das Risiko für einen schweren Verlauf mit kardiovaskulären Komplikationen deutlich zu reduzieren.