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Stationsapotheker

Ein neuer Player am Krankenbett

Im Bundesrat geht es am Freitag auch darum, inwiefern der Einsatz von Stationsapothekern als Qualitätskriterium in der Klinikversorgung verankert werden könnte. Wie kommt ein Pharmazeut am besten ins Stationsteam? Darüber sprachen Klinikärzte und Apotheker bei einer gemeinsamen Fortbildung in Hamburg.
Daniela Hüttemann
22.11.2018
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»Anfangs muss man sich auf bestimmte Stationen oder Patientengruppen konzentrieren«, riet Dr. Holger Knoth Leiter der Klinikapotheke des Uniklinikums Dresden und gleichzeitig Leiter der Projektgruppe Stationsapotheker beim Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA). Dafür böten sich neben Chirurgie und Orthopädie auch Intensivstationen, Onkologie und internistische Stationen, insbesondere die Geriatrie, aber auch die Neurologie, Psychiatrie oder Pädiatrie an.

Noch gebe es keine einheitliche Linie, welche Aufgaben genau in den Bereich der Stationsapotheker fallen, hieß es. Am häufigsten beraten und schulen die Apotheker die Ärzte und Pflegekräfte auf Station oder sind Teil von Gremien wie der internen Arzneimittelkommission. Auch Kurvenvisiten oder Medikationsanalysen werden bereits relativ häufig durchgeführt. Ein Aufnahme- oder insbesondere Entlassmanagement bieten bislang weniger an. »Wichtig ist auch, dass die pharmazeutische Dienstleistung kontinuierlich und zuverlässig angeboten wird – was ist zum Beispiel mit der Urlaubsvertretung?«, bemerkte Knoth bei der Veranstaltung von ADKA und der Arzneimittelkommission der Ärzteschaft (AkdÄ) Mitte November im Hamburger UKE.

»Zu Beginn war wichtig, den Entscheidern zu zeigen, welche Aufgaben der Apotheke im Alltag auf Station übernehmen kann«, berichtete Dr. Insa Gross, Abteilungsleiterin der Stationsapotheker am Klinikum Region Hannover (KRH). Anlässlich der Reorganisation der Zentralapotheke im Jahr 2010 habe man sich überlegt, was man noch mehr für die Patienten der 4100 Betten tun könne, erklärte Gross. Es begann mit einem Projekt mit einem Stationsapotheker über ein Jahr, bei dem auch genau auf die Kosten geschaut wurde. 2015 habe das Management beschlossen, überall Stationsapotheker einzusetzen, was nun sukzessive umgesetzt wird.

»Mit wenig Manpower muss man dabei systematisch vorgehen, das ist auf patientenindividueller Ebene nicht zu schaffen«, so Gross. Ein Angebot sei die Erarbeitung von Standards für häufige Fragestellungen, die auch dann greifen, wenn kein Pharmazeut vor Ort sei. Als Beispiel stellte Stationsapotheker Jan Grabenhorst ein Flussdiagramm vor, wie mit einer bestehenden Antikoagulation perioperativ umzugehen ist (Bridging). Auch hat der Apotheker auf Wunsch des Pflegepersonals Kompatibilitätstabellen für die gleichzeitige Gabe von Infusionslösungen und stationsindividuelle Infusionspläne erarbeitet.

Dr. Christoph Grotjahn, Internist am Standort Großburgwedel, bestätigte die gute Zusammenarbeit auf Station. »Am häufigsten wird eine Dosisanpassung bei Nierenfunktion vergessen, worauf die Stationsapotheker aufmerksam machen«, so der Arzt. Eine große Hilfe seien die Pharmazeuten aber auch bei Applikationsfragen, Interaktionsproblemen und Unsicherheiten bei neuen Medikamentengruppen wie den neuen oralen Antikoagulanzien. Daraus entstand auch die Idee des Bridging-Leitfadens. „Das zweiseitige Dokument klärt neun von zehn Fragen und hat die perioperative Patientensicherheit deutlich erhöht“, so Grotjahn.

Auch an den Havelland-Kliniken in Brandenburg ist man dabei, Stationsapotheker zu etablieren. »Wir alle können einen Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit leisten, wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen«, war sich Johanna Charlotte Buro sicher. Als erste Stationsapothekerin in den Havelland-Kliniken berichtete sie über den Ablauf ihres Projekts.

Anfangs habe es durchaus Akzeptanz-Probleme gegeben: bei den alteingesessenen Ärzten, der Pflege und auch den Kollegen in der Klinikapotheke. »Auf einmal ist da noch jemand am Patientenbett, der mitreden und die Kurve gucken will. Das ist oft auch erst einmal organisatorisch ein Problem«, so Buro. Hier helfen Fachkenntnisse und gute Kommunikationsfähigkeiten. Das bestätigte ihr Koreferent Dr. Stefan Lenz, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie in Nauen. »Wenn Sie etwas Neues einführen, treffen Sie erstmal auf Ablehnung, da ist Changemanagement wichtig«, so Lenz. »Mittlerweile ist die Pflege traurig, wenn Frau Buro nicht da ist.« Daher will man auch in den Havelland-Kliniken die Zahl der Stationsapotheker aufstocken. »Wir haben ein Ziel«, so Buro. »Das werden wir zwar nicht sofort erreichen, aber irgendwann wird es überall in Deutschland Stationsapotheker geben.«

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