Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Welt der Mongolen
-
Dschingis Khan – Flexibilität als Erfolgsfaktor

Um die Figur des Dschingis Khan ranken sich viele Geschichten und Mythen. Doch sein Reich war auch Zentrum für Wissensaustausch zwischen Europa und Asien. Eine neue Ausstellung zeigt, welche Einflüsse die Mongolen hatten.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 21.10.2026  07:00 Uhr
Dschingis Khan – Flexibilität als Erfolgsfaktor

Wer den Namen Dschingis Khan hört, denkt häufig wohl zuerst an den gleichnamigen Schlagerhit von Ralph Siegel, der 1979 beim Eurovision Song Contest den vierten Platz ergatterte. Für seine Zeitgenossen war die mongolische Herrscherfigur jedoch weit weniger unterhaltsam. Für viele galt er als große Bedrohung. In der Mongolei wird Dschingis Khan bis heute als Nationalheld verehrt. Die Mongolen sehen ihn als Vater und als Freund und benannten auch den Flughafen ihrer Hauptstadt Ulaanbaatar nach ihm.

Der berühmte Eroberer, dessen Tod sich 2027 zum 800. Mal jährt, ist eine weit vielschichtigere Figur, als sein Ruf vermuten lässt. Von seinem Reich gingen Entwicklungen aus, die Europa und Asien prägten. Eine neue Sonderausstellung in Berlin erzählt nun die Geschichte Dschingis Khans und des mongolischen Weltreichs. Die meisten der mongolischen Exponate sind erstmals außerhalb des Landes zu sehen.

Wie Professor Dr. Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin und Kurator der Ausstellung, bei der Pressekonferenz berichtete, gelangten die Mongolen einst bis an die Grenzen des damaligen deutschen Reiches. Nur etwa 40 Kilometer trennten den westlichsten Punkt ihrer Expansion vom heutigen Sachsen. Und zwischen dem schlesischen Liegnitz, wo 1241 das Ritterheer unterging, und Berlin lagen lediglich 240 Kilometer. »Die junge Stadt hätte wie so viele andere einem mongolischen Angriff nichts entgegensetzen können«, betonte er. Die Geschichte hätte leicht einen anderen Verlauf nehmen können.

Ernährung, Währung und Schrift

Schon zu Beginn zieht die Ausstellung ihre Besucherinnen und Besucher mitten ins Schlachtgeschehen. Auf riesigen Leinwänden stürmen Reiter mit gespannten Bögen heran, Staub wirbelt auf, Hufe donnern, Pfeile fliegen. Im nächsten Raum herrscht die Stille einer Grabkammer. Reich mit Drachenmotiven verzierte Wände erinnern an die engen Beziehungen zwischen der Mongolei und China.

Im dritten Raum öffnet sich die Weite der Steppe. Sie war der Lebensraum der Nomaden, wo es sich nur mit den sogenannten fünf Schnauzen überleben ließ. Pferde sorgten für Mobilität, Schafe lieferten Fleisch, Wolle und Milch. Ziegen spendeten feine Unterwolle für Kaschmir sowie Häute, Rinder lieferten Leder und Kamele transportierten die schweren Lasten. Die Mongolen verwerteten nahezu jeden tierischen Bestandteil – für Waffen, Kleidung, Alltagsgegenstände oder den Bau ihrer Behausungen, der Jurten.

Ihre Ernährung bestand jedoch nicht nur aus Fleisch und Milch. Forschende des Max-Planck-Instituts für Geoanthropologie konnten mithilfe von Isotopenanalysen nachweisen, dass Hirse eine deutlich größere Rolle spielte als lange angenommen.

Im Zentrum der Ausstellung stehen Grabfunde aus Tavan Tolgoi. Zu sehen sind Schmuck, Kleidung und Waffen der Dschingisiden. Dschingis Khan wusste, dass sich ein Reich zwar vom Rücken der Pferde erschaffen, aber nicht regieren ließ. Deshalb ließ er Karakorum errichten und schuf Verwaltungsstrukturen: eine Schrift, Rechtssprüche, ein Nachrichtensystem und eine Währung – sogar schon mit Papiergeld.

THEMEN
BerlinEuropa
Mehr von Avoxa