Am Dienstag wurden zwei Infizierte im Stadtteil Schwanheim gemeldet, der etwa fünf Kilometer vom Flughafen entfernt liegt (hier ein Blick auf die City). / © Getty Images/EyeEm
Erneut ist ein Mensch in Frankfurt an Malaria gestorben. Es ist das dritte Todesopfer im Umfeld des Frankfurter Flughafens. Nach Angaben der Stadt sind bilang acht Malaria-Infektionen bekannt. Im Sommer hatten sich sechs Mitarbeiter des Flughafen-Betreibers Fraport mit der Krankheit infiziert – zwei starben. Am Dienstag wurden zwei Infizierte im Stadtteil Schwanheim gemeldet, der etwa fünf Kilometer vom Flughafen entfernt liegt – eine Person starb. Eine weitere wurde am Donnerstag noch in einer Klinik behandelt.
»Die Fälle von Flughafen-Malaria stehen alle im Zusammenhang mit dem internationalen Flughafen Frankfurt am Main«, sagt das Robert-Koch-Institut (RKI). Auch in anderen Ländern gab es Infektionen in der Nähe von Flughäfen. Neben Flughafenbeschäftigten waren bei einem Ausbruch 2020 in Belgien auch Bewohner Flughafen-naher Gebiete betroffen. Wie auch in Schwanheim wohnten die Betroffenen etwa fünf Kilometer vom Flughafen entfernt.
Die Behörden raten, auf Symptome und Mückenschutz zu achten. Symptome sind neben Fieber unter anderem Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Magen-Darm-Beschwerden. Wichtig ist, möglichst früh einen Arzt aufzusuchen.
Am Flughafen sind den Angaben zufolge Mückenfallen aufgestellt, um mögliche Vorkommen übertragungsfähiger Anopheles-Mücken zu erfassen. Dies werde auf das Wohnumfeld der beiden Fälle in Schwanheim ausgeweitet, kündigte das Amt an.
»Wir raten zu Mückenschutz durch Repellenzien und bedeckende Kleidung«, teilte das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt am Main auf dpa-Anfrage mit. Ergänzend könne in den Wohnräumen Mückenschutz beispielsweise durch Fliegengitter das Risiko eines Stichs minimieren. Die Gefahr, mit Malaria infiziert zu werden, sei für die Bevölkerung in der Stadt aber als sehr gering anzusehen: »Die klimatischen Bedingungen sind für den Zyklus von Mücke und Erreger in Deutschland ungünstig.«
Ursache sollen laut Gesundheitsamt Anopheles-Mücken aus einem Malariagebiet sein, die mutmaßlich mit einem Flugzeug nach Frankfurt kamen. Die beiden Betroffenen in Schwanheim waren nicht im Ausland und arbeiten nicht am Flughafen. Dennoch geht das Gesundheitsamt davon aus, dass die Überträger-Mücke vom Flughafen kam und es sich ebenfalls um sogenannte Flughafen-Malaria handelt.
Ob die Frankfurter Fälle zusammenhängen, wird nach Angaben des Gesundheitsamts noch untersucht: »Spezialuntersuchungen im Labor können Hinweise darauf liefern, ob die Infektionen auf eine Erregerquelle zurückzuführen sind.«
Dass solche Mücken sich um einen Flughafen in einem Radius von mehreren Kilometern bewegen, geschehe ganz selten, sagte der Leiter des Gesundheitsamts, Peter Tinnemann. Bürger sollten sich keine Sorgen machen, aber aufmerksam sein bei Symptomen, erklärte er. »Dies gilt insbesondere für Menschen, die am oder im Umfeld des Frankfurter Flughafens arbeiten oder sich dort aufhalten beziehungsweise in räumlicher Nähe zum Flughafen wohnen.«
Im jetzigen Fall sind Anwohner des Flughafens betroffen, zuvor waren es Mitarbeiter des Betreibers Fraport. Weil sie vorher nicht in Malaria-Gebieten waren, lag der Verdacht auf die Erkrankung nicht nahe. »Eine fehlende Tropenreise bei Erkrankten kann dazu führen, dass die Diagnose erst verzögert gestellt wird. Eine verspätete Diagnosestellung erhöht das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf«, heißt es vom Robert-Koch-Institut (RKI).
Daher ruft das Frankfurter Gesundheitsamt Bürger und Bürgerinnen sowie Ärzte und Ärztinnen dazu auf, bei solchen Symptomen an Flughafen-Malaria zu denken. Die Diagnose könne per Schnelltest erfolgen. Die Inkubationszeit nach einem Mückenstich beträgt sieben bis 15 Tage. Häufig würden die ersten Anzeichen als grippaler Infekt oder Magen-Darm-Infektion fehlinterpretiert, wie es beim RKI heißt.
Eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt es nicht. Bei Flughafen-Malaria gelangt die infizierte Mücke auf dem Luftweg etwa im Gepäckraum nach Deutschland. Möglich ist auch, dass eine Mücke in einem transportierten Koffer überlebt. In ganz seltenen Fällen ist eine Mutter-Kind-Übertragung möglich - oder eine Infektion in einem Krankenhaus.
»Europaweit sind Fälle von Flughafen-Malaria weiterhin selten«, betont das RKI. In den vergangenen Jahren würden solche Fälle jedoch zunehmend berichtet. »Günstige Temperatur und Feuchtigkeitsbedingungen im Rahmen des Klimawandels können das Überleben und die Aktivität importierter Anophelesmücken nach ihrer Ankunft begünstigen.«
Seit 2015 sind dem RKI 19 Malariafälle mit wahrscheinlicher Übertragung in Deutschland bekanntgeworden: zwei Fälle mit Krankenhausinfektion, ein Fall von Koffermalaria, eine Mutter-Kind-Übertragung, ein Fall mit unklarem Übertragungsweg und 14 Fälle von möglicher Flughafenmalaria (zwei Fälle 2019, drei Fälle 2022, ein Fall 2023, acht Fälle 2026).
»Die Gefahr der sogenannten Flughafen-Malaria ist bekannt«, sagt auch Friedrich Frischknecht vom Uniklinikum Heidelberg. »Das ist extrem selten und wird extrem selten bleiben, auch wenn die Fälle mit dem steigenden Reiseverkehr ein bisschen zunehmen können.«
»Manche tropischen Mücken sind bei kalten Temperaturen nicht mehr so überlebensfähig und fliegen auch nicht mehr so aktiv«, sagt Frischknecht. Aber natürlich könnten sie im temperierten Flughafengebäude unterwegs sein. Der Experte weist darauf hin, dass Malaria in seltenen Einzelfällen auch von hiesigen Mücken übertragen werden kann, wenn diese den Erreger aufgenommen haben.
Mit Blick auf die Tigermücke, die sich in Deutschland ausbreitet, gibt er hingegen Entwarnung: Die könne zwar viele tropische Krankheiten wie Dengue, Zika und Chikungunya übertragen, jedoch keine Malaria.