Das Schiff befand sich Angaben verschiedener Ortungs-Websites zufolge zuletzt vor seinem Zielhafen vor Kap Verde. Wo und wie sich die Passagiere und Crewmitglieder angesteckt haben, ist noch nicht geklärt (Symbolfoto). / © Getty Images/Michael Dunning
Nach einem möglichen Ausbruch des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) drei Menschen mutmaßlich nach einer Infektion gestorben. Zwei der Toten seien Niederländer, hieß es vom niederländischen Außenministerium. Nach Angaben des südafrikanischen Gesundheitsministeriums verstarb ein 70-jähriger Niederländer auf dem Schiff. Seine 69-jährige Ehefrau sei am Flughafen in Johannesburg zusammengebrochen, als sie versuchte, in ihre Heimat zurückzufliegen. Sie sei ins Krankenhaus gebracht worden und dort gestorben.
Nach Angaben des Schiffsbetreibers ist auch ein deutscher Passagier gestorben. Am Sonntag sei die Person an noch ungeklärter Ursache an Bord der «Hondius» gestorben, teilte der niederländische Reiseveranstalter Oceanwide Expeditions mit. Weitere Einzelheiten wie Geschlecht oder Alter waren zunächst unbekannt. Von deutschen Behörden gab es zunächst keine Informationen zu dem Fall.
Der Mann war nach den neuesten Angaben des Betreibers bereits am 11. April an Bord gestorben und seine Frau am 27. April. Wie bei dem deutschen Passagier sei auch bei diesen beiden Todesfällen unbestätigt, ob sie mit einem möglichen Ausbruch des Hantavirus an Bord zusammenhängen.
Weitere drei Menschen sind wohl infiziert, einer davon (ein britischer Patient) wird in Südafrika intensivmedizinisch betreut, wie die WHO in Genf und die südafrikanischen Behörden mitteilten. Bei diesem Patienten scheint mittlerweile ein Hantavirus-Nachweis erfolgt zu sein.
Die anderen beiden Infizierten seien Crew-Mitglieder, die an Bord ebenfalls medizinische Notfallversorgung benötigten, hieß es vom Schiffsbetreiber Oceanwide Expeditions. Beide hätten Probleme mit den Atemwegen, einer habe schwere, der andere milde Symptome. Bei beiden sei die Infektionsursache unklar und das Hantavirus sei noch nicht bestätigt worden. Eine detaillierte epidemiologische Untersuchung ist laut WHO im Gange.
Grundsätzlich kommen laut Experten, die das Science Media Center befragt hat, zwei Szenarien für die Ansteckung infrage: »Erstens könnten sich eine oder mehrere Personen bereits in Argentinien oder im südamerikanischen Expositionsgebiet infiziert und das Virus an Bord gebracht haben. Sollte es sich um das Andes-Virus handeln, wäre anschließend bei engem Kontakt eine Weiterübertragung an Bord denkbar«, so Professor Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Abteilung Arbovirologie und Entomologie, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM), Hamburg.
Zweitens wäre auch eine Infektion durch Nagetiere an Bord oder durch kontaminierte Lebensmittel, Lagerbereiche, Kabinen, Oberflächen oder Staub denkbar – etwa wenn Mäuse oder Ratten das Schiff beziehungsweise Vorratsbereiche besiedelt haben. Beide Möglichkeiten müssen durch epidemiologische Untersuchung, Umweltinspektion, Nagetierkontrolle und virologische Diagnostik abgeklärt werden.«
Die Inkubationszeit liege zwischen zwei und vier Wochen, kann aber auch bis zu acht Wochen dauern.
Das Hantavirus kann bei Menschen zu Fieber und schweren Atemwegserkrankungen führen. Häufig sind auch die Nieren betroffen. Schwere Verläufe können tödlich enden, kommen nach Informationen des Gesundheitsministeriums aber in Deutschland nur selten vor. Der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Henri Kluge, gab gewisse Entwarnung: »Das Risiko für die breite Öffentlichkeit ist weiterhin gering.« Reisebeschränkungen seien nicht erforderlich.
Hantavirus-Infektionen seien selten und hingen in der Regel mit Kontakten zu infizierten Nagetieren zusammen, hieß es weiter. Erkrankungen verliefen zwar in manchen Fällen schwerwiegend, das Virus sei aber nicht leicht von Mensch zu Mensch übertragbar.
Der niederländische Schiffsbetreiber erklärte, er könne zur möglichen Ursache bislang nichts sagen. Das Schiff von Oceanwide Expeditions hat für 170 Passagiere und etwa 70 Besatzungsmitglieder Platz. Laut Fahrplan des Schiffes war die «Hondius» von Ushuaia im Süden Argentiniens aufgebrochen. Nach Angaben verschiedener Ortungs-Websites befand sich das Schiff zuletzt vor seinem Zielhafen vor Kap Verde.
Ein Ausbruch in einer solchen Umgebung gilt als ungewöhnlich: Infizierte Nagetiere scheiden das Virus mit ihrem Kot, Urin oder Speichel aus, wie das Robert-Koch-Institut schreibt. Menschen stecken sich üblicherweise durch aufgewirbelten Staub, etwa beim Aufräumen eines staubigen Schuppens oder Dachbodens, oder durch Bisse an.
In Deutschland schwankt die Zahl der Infektionen den Gesundheitsbehörden zufolge von Jahr zu Jahr. Sie ist abhängig davon, wie viele Nagetiere es gibt, die den Erreger übertragen können. Dazu gehören etwa Rötelmäuse. Gibt es für sie viel zu fressen, was wiederum mit Niederschlägen im Vorjahr zusammenhängt, können sie sich stark vermehren – im Zuge dessen gibt es auch mehr Hantavirus-Fälle beim Menschen. Im Jahr 2024 zählte das RKI 423 Erkrankungen, im Jahr davor 337 Fälle. 2021 gab es ein Vielfaches dieser Fallzahlen.